Chronik | Welt
05.12.2011

Japan will weg vom Atomstrom

Die Fukushima-Katastrophe scheint spät, aber doch zum Umdenken Japans bei der Energiepolitik geführt zu haben.

Wir müssen eine Gesellschaft entwickeln, die auf Atomenergie verzichten kann", sagte Japans Premierminister Naoto Kan am Mittwoch, vier Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Davor hatte es den Anschein gehabt, als ob die Folgen des Atomunfalls die Energiepolitik Japans nicht beeinflussen würden. Die Regierung hielt zunächst an ihren Plänen fest, die Kernenergie bis 2030 weiter auszubauen. Vorgesehen war, den Anteil an Atomstrom bis dahin von heute 30 Prozent auf 53 Prozent zu erhöhen. Im Moment sind 19 der 54 japanischen Atomreaktoren in Betrieb.

Doch jetzt die Kehrtwende des Premierministers: "Wir müssen unsere Energiepolitik rückgängig machen", sagte Kan am Mittwochabend vor dem Parlament in Tokio. Einen genauen Zeitplan nannte er freilich nicht, er sprach aber davon, dass die Wende in der Energiepolitik in der "nahen Zukunft" und "etappenweise" stattfinden müsse.

"Keine Wahl"

In den vergangenen Wochen war immer wieder die Rede vom Ausbau alternativer Energien und der Verringerung der Atomenergie gewesen. Auch am Mittwoch sprach sich Kan dafür aus, dass der Anteil der erneuerbaren Energiequellen bis 2020 auf 20 Prozent erhöht wird. Derzeit macht er nur 1,1 Prozent aus. Gleichzeitig räumte der Premier ein, dass in näherer Zukunft der Anteil der fossilen Energieträger zwangsweise erhöht werden müsse.

Kan erklärte, seine Regierung habe "keine andere Wahl". Und: Die von einem Erdbeben und einem Tsunami am 11. März ausgelöste Katastrophe in Fukushima habe ihm erst die großen Risiken der Atomkraft bewusst gemacht.