Island
02/25/2013

Streit um Verbot von Internet-Pornos

Zum Schutz von Minderjährigen soll Pornografie verboten werden – für Gegner Zensur. Auch Großbritannien überlegt ähnliche Schritte.

von Konrad Kramar

Für die einen ist es Schutz vor visueller Gewalt und einem zutiefst diskriminierenden Frauenbild, für die anderen aber Zensur und Beschränkung bürgerlicher Freiheiten. Das geplante Verbot von Pornografie sorgt auf Island für massive politische Erschütterungen.

Der Vorstoß der bekannt streitbaren Innenministerin Ogmundur Jonasson – sie fordert auch das Verbot von Online-Gambling – stößt vor allem bei Pädagogen und Elternverbänden auf begeisterte Zustimmung.

Sie beklagen die schädlichen Einflüsse von Pornografie im Internet auf Jugendliche. Tatsächlich belegen aktuelle Studien, dass mehr als 90 Prozent der männlichen Jugendlichen schon einmal Internet-Pornografie konsumiert haben und mehr als ein Drittel das regelmäßig tut. Viel dramatischer aber sind die Zahlen, die belegen, dass es sich dabei oft nicht um konventionellen Sex handelt, sondern um Abarten vom Gruppensex über sadomasochistische Spiele bis hin zu offener sexueller Gewalt.

„Wenn ein Zwölfjähriger Porno bei Google eintippt, stößt er ja nicht auf Fotos von nackten Frauen in einem Kornfeld“, macht eine Mitarbeiterin die Haltung der Ministerin deutlich, „sondern oft auf harte und brutale Gewalt.“ Es gebe Gesetze gegen solche Darstellungen in Island, und diese sollten auch für das Internet gelten.

Eigentlich gilt auf der Insel seit Jahrzehnten ein Verbot von Pornografie, das aber nicht exekutiert wird. Auch die jetzige Regierung will diese nicht gänzlich verbieten, sondern sich lediglich auf Inhalte beschränken, die gewalttätig oder offensichtlich gegen die Menschenwürde verstoßen.

Die Gegner der Initiative, die derzeit von einem Expertenkomitee ausgearbeitet wird, sehen darin eine Zensur der Freiheit im Internet. Man würde so Diktaturen Rückenwind für härtere Beschränkungen geben und außerdem die in Skandinavien hoch gehaltene Meinungsfreiheit beschneiden.

Britische Initiative

Ungeachtet solcher Einwände bemühen sich nun auch Aktivisten und NGOs in Großbritannien um ein ähnliches Verbot. Die politisch einflussreiche „Gesellschaft gegen Gewalt an Kindern“ macht sich dafür stark, Minderjährige vor Kontakt mit Gewaltpornos zu schützen: „Das Zeug, das Kindern im Internet begegnet ist abstoßend.“

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