Identitären-Schiff: Kapitän der C-Star festgenommen

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Foto: Screenshot: youtube.com Das unter mongolischer Flagge fahrende Schiff C-Star auf einem Video

Das Boot der Rechtsextremen liegt weiterhin im Hafen der nordzypriotischen Stadt Famagusta. Laut Medienberichten wurde gegen insgesamt zehn Besatzungsmitglieder ein Gefängnisaufenthalt angeordnet.


Die Bootsfahrt der rechten "Identitären" im Mittelmeer steht weiter unter einem schlechten Stern. Der Kapitän des von der rechten "Identitären Bewegung" gecharterten Schiffes "C-Star" und neun sri lankische Besatzungsmitglieder sind in Nordzypern festgenommen worden, wie laut mehreren Medienberichten nun bestätigt wurde.

Die lokal Zeitung Kibris Postasi berichtete, dass der Schiffseigner, der Kapitän und der Co-Kapitän unter den Verhafteten seien. Ein Gericht in der Hafenstadt Famagusta habe gegen die zehn Verdächtigen einen eintägigen Gefängnisaufenthalt angeordnet, berichtete die Zeitung Kibris gazetesi am Donnerstag.

Unter dem Titel "C-Star Chaos" berichtete die nordzypriotische Zeitung Yeni Düzen, den Verdächtigen werde unter anderem Dokumentenfälschung vorgeworfen.

Die Position der unter mongolischer Flagge fahrenden C-Star:

Die "Identitäre Bewegung" will Migranten vor der Küste Libyens abfangen und zurück nach Afrika bringen. Zu diesem Zweck haben die "Identitären", die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet werden, das Schiff C-Star gechartert. Die C-Star liegt laut der Website MarineTraffic seit Mittwoch im Hafen von Famagusta.

Teile der Besatzung beantragten Asyl

15 Besatzungsmitglieder sollen laut mehrerer Zeitungsberichte zur Abschiebung zum Flughafen gebracht worden sein, fünf sollen einen Asylantrag gestellt haben.

Die "Identitären" teilten via Twitter mit, die Crew bestehe aus verschiedenen Nationalitäten. Sie warfen Nichtregierungsorganisationen vor, den Einsatz zu verhindern. Die "Mission" könnte zwar verzögert, aber nicht aufgehalten werden, hieß es.

Menschenschmuggel?

Auf linken Internetseiten ist die Rede davon, dass der Kapitän sogar wegen Verdachts der Schlepperei festgenommen worden sein soll. Die Bootscrew - Tamilen aus Sri Lanka - soll angegeben haben, dass sie für die Fahrt bezahlt hat. Ein offizielle Bestätigung für diese Berichte gibt es vorerst allerdings nicht.

Rechtsextreme Kampagne Foto: Screenshot/Facebook

Die Identitären sagten gegenüber dem KURIER zu dem Vorwurf der Schlepperei: "Das ist absurd." Die Tamilen seien zu Trainingszwecken an Bord gewesen, um eine Kapitänsausbildung zu absolvieren. Das sei ein ganz normaler Vorgang, sie hätten natürlich auch dafür bezahlt. Als sie an Land kamen, um einen Crewwechsel durchzuführen, seien sie von NGOs "massiv gedrängt" worden, einen Asylantrag zu stellen.

Das von den Rechtsextremen gecharterte Schiff war bereits vor einigen Tagen im Suezkanal von ägyptischen Behörden kontrolliert worden. Die Identitären sprachen von einer "Routinekontrolle". Dabei wurden aber offenbar keine Auffälligkeiten gefunden.

Vorwürfe gegen Schiffseigner

Laut dem britischen Antirassismusportal Hope not Hate ist Schiffseigner Sven Thomas Egerstrom ein dubioser Sicherheitsunternehmer, der unter anderem Schiffen bewaffneten Schutz vor Piraten anbietet. Das Ziel der Identitären-Mission sei Egerstrom von Beginn an bewusst gewesen. Er untersütze das Vorhaben der Aktion, "Recherche" im MIttelmeer zu betreiben. Laut einem Bericht von Voice Of America wurden 2015 auf den Seychellen auf einem von Egerstroms Schiffen automatische Waffen im Wert von 2 Millionen Dollar beschlagnahmt. Zu Beginn der "Defend Europe"-Aktion gab es Vorwürfe, der Schiffseigner hätte auch bewaffnete Sicherheitskräfte an Bord gebracht. Die Identitären hatten gegenüber tagesschau.de angekündigt, Security-Mitarbeiter mit an Bord zu nehmen, die gegen möglicherweise bewaffnete Menschenschlepper vorgehen sollen.

Das von den Rechtsextremen gecharterte Schiff war bereits vor einigen Tagen im Suezkanal von ägyptischen Behörden kontrolliert worden. Die Identitären sprachen von einer "Routinekontrolle". Dabei wurden aber offenbar keine Auffälligkeiten gefunden.

Beschlagnahmt, oder doch abfahrbereit?

Die Gruppe von Identitären und rechten Youtube-Bloggern befindet sich derzeit im sizilianischen Catania und wartet darauf, dass eine neue Crew in Zypern an Bord geht und sie abholt. In Italien waren dagegen bereits Demonstrationen angekündigt. Laut den Identitären ist das Schiff nicht beschlagnahmt, wie es mancherorts hieß, es sei abfahrbereit und hätte bereits wieder Proviant aufgeladen.

BuzzfeedNews sammelt diverse (nicht unabhängig geprüfte) Updates über die Vorgänge:

Auf dem Twitter-Account der "Defend Europe" genannten Aktion wurden Vorfälle mit der "asiatischen Trainings-Crew" auf Zypern erwähnt.

Rechtsextreme Kampagne Foto: Screenshots/Twitter.com

(KURIER/APA) Erstellt am
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