Sabrin, auf Arabisch „Geduld“, und ihr Gefährte Sultan haben eine neue Heimat.

© KURIER/Michaela Reibenwein

Hilfsaktion
10/02/2014

Rettung aus der Hölle der Löwen

Vier Pfoten brachte drei Raubtiere aus dem zerbombten Zoo in Gaza nach Jordanien.

von Michaela Reibenwein

Hinter der hohen Mauer, die von den Israelis gebaut wird, beginnt eine andere Welt. Menschen, die mit Eselkarren über die staubigen Straßen von Gaza fahren. Zerbombte Häuser, vor denen Ziegen grasen. Raketenkrater. Obdachlose, die am Strand schlafen, weil ihre Häuser zerbombt wurden. Und mittendrin der traurige Rest eines Vergnügungsparks in Beit Lahiya, im Norden des Gaza-Streifens. Das Karussell steht still. Die Käfige, in denen vor dem blutigen Konflikt mehr als 100 Tiere gehalten wurden, liegen zum Großteil in Schutt. 80 Tiere wurden getötet. "Der Zoo ist drei Mal beschossen worden", sagt Direktor Schadi Hamad. "Wir konnten die Tiere nicht versorgen."

Einige haben trotzdem überlebt. Wenn auch in einem sehr kritischen Zustand und traumatisiert. Darunter drei Löwen.

"Eine Löwin ist bei einem Angriff gestorben. Ein Löwe hatte einen Splitter in der Hüfte. Alle waren abgemagert", schildert Amir Khalil, Tierarzt von Vier Pfoten. "Die Käfige sind kaputt. Dadurch sind die Löwen auch eine Gefahr für die Umgebung", sagt Birgit Leber, ebenfalls von Vier Pfoten. Einst wurden die Tiere durch die unterirdischen Schmuggelgänge nach Gaza gebracht. Doch jetzt sind sie eine Belastung.

Deshalb startete die Tierschutz-Organisation eine Rettungsaktion für die drei Löwen. Zwei Wochen zuvor war Tierarzt Khalil bereits mit Medikamenten vor Ort, operierte einige Tiere und reparierte Wasserleitungen. Am vergangenen Dienstag kam er mit seinem Team ein zweites Mal. Und diesmal, um die Löwen nach Jordanien zu bringen und ihnen dort ein neues, artgerechtes Leben zu ermöglichen.

Die Mission beginnt um 8 Uhr Früh. Khalil bereitet die Narkose vor. Die Tiere sind unruhig. Viele Bewohner aus der Umgebung finden sich ein. Sie stehen zwischen den Schutthaufen. "Ich war oft im Zoo", sagt der 15-jährige Salah abu Nahd. "Die Löwen sind meine Lieblingstiere." Jetzt ist er traurig. "Ein Zoo ohne Löwen, das ist kein Zoo", sagt er.

Löwin ist trächtig

Khalil marschiert mit einem Blasrohr zu den Käfigen. Betäubt zuerst einen männlichen Löwen, dann seine Gefährtin, die vermutlich trächtig ist. Die Zeit ist knapp. Die Narkose darf nicht zu lange dauern – sonst würde der Transport zum Risiko für die Tiere. Dann folgt der letzte Löwe. Ein Tier nach dem anderen wird auf eine Plane gelegt. Dann packen alle mit an. Gemeinsam tragen sie die 350 bis 400 Kilo schweren Tiere in die Transportkäfige. Ein Kran hievt sie auf einen Lkw. Zwei Mal müssen sie neu verladen werden. Erst an der israelischen Grenze, dann an der jordanischen.

Kurz vor Sonnenuntergang kommt der Konvoi in Amman, Jordanien, an. Die Tiere sind munter. Und schlecht gelaunt. Sechs Männer tragen die Boxen zu den Gehegen. Hinaus trauen sich die Löwen erst nach einigen Minuten. Doch hier ist nur eine Zwischenstation. In wenigen Monaten sollen sie in das neue Tierschutzzentrum "Al Ma’ wa for Nature an Wildlife" kommen. Und sie haben auch Namen bekommen: Die Löwin heißt nun Sabrin, auf Arabisch so viel wie "Geduld". Ihr Gefährte ist Sultan, der König. Der zweite Löwe ist Shaker, auf Arabisch "dankbar".

Die Tiere, die im Zoo von Gaza geblieben sind, sollen ebenfalls Hilfe bekommen. Vier Pfoten unterstützt die Verantwortlichen vor Ort beim Neubau – diesmal artgerecht und sicher.

Hilfe für den Zoo

Spendenkonto Rund 30 Tiere sind im zerbombten Zoo von Gaza verblieben. Er muss neu aufgebaut werden – sicher und artgerecht. Vier Pfoten hilft dabei. Spendenkonto: IBAN: AT50 6000 0000 0754 4590; BIC: OPSKATWW; Kennwort „Gaza“.

Spendenlink www.vier-pfoten.at/gaza

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