Harvey Weinstein stellte sich den Behörden in New York

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Ex-Hollywood-Produzent in Handschellen abgeführt, er wird der Vergewaltigung und sexuellen Belästigung beschuldigt.

Nach heftigen Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe hat sich Ex-US-Filmproduzent Harvey Weinstein (66) den Behörden in New York gestellt. Weinstein ging am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) bekleidet mit Sakko, blauem Pullover und weißem Hemd in Begleitung von Anwälten in ein Gebäude der New Yorker Polizei im Süden Manhattans, wie in Fernsehübertragungen zu sehen war. Dutzende Journalisten und Schaulustige standen vor dem Gebäude.

Weinstein ist am Freitag formell einer Vergewaltigung und mehrerer weiterer sexueller Vergehen beschuldigt und festgenommen worden.

Seine Kautionsbedingungen seien schon im Voraus festgelegt worden. Demnach werde er eine Million Dollar (852.660 Euro) hinterlegen und sich verpflichten, ein Überwachungsgerät wie etwa eine Fußfessel zu tragen. Seine Reise-und Bewegungsfreiheit werde eingeschränkt. Seinen Pass müsse er abgeben.

Der Fall Weinstein war im vergangenen Oktober bekannt geworden und hatte unter dem Schlagwort #MeToo eine weltweite Debatte über sexuelle Übergriffe ausgelöst. Der einst einflussreiche Hollywood-Mogul hatte Fehlverhalten eingeräumt, bisher aber Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex zurückgewiesen.

Film producer Harvey Weinstein arrives at the 1st Precinct in Manhattan in New York
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"Heute sind wir der Gerechtigkeit einen Schritt näher gekommen"

Mehrere Schauspielerinnen, die Weinstein in den vergangenen Monaten sexuelle Übergriffe vorgeworfen haben, kommentierten die Nachricht mit Erleichterung und Freude. "Heute sind wir der Gerechtigkeit einen Schritt näher gekommen", schrieb die Schauspielerin Rose McGowan auf Instagram. Möge Weinsteins Verhaftung allen Opfern, die ihre Erlebnisse schildern, Hoffnung machen, führte sie aus. Sie und andere Weinstein-Opfer hätten schon daran gezweifelt, dass er vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werde. McGowan war im vergangenen Herbst eine der ersten Frauen, die Weinstein Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe vorwarfen.

"Ich kann es kaum erwarten", schrieb die Schauspielerin Annabella Sciorra am Donnerstag auf Twitter. Die "Sopranos"-Schauspielerin sagte im vergangenen Oktober dem US-Magazin "The New Yorker", dass sie von Weinstein in den frühen 90er-Jahren in ihrer Wohnung vergewaltigt worden sei.

Mit "Boom" und einem Explosions-Emoji meldete sich die italienische Schauspielerin Asia Argento auf Twitter zu Wort. Sie hatte kürzlich beim Filmfest in Cannes mit einer kämpferischen Rede gegen Weinstein und sexuellen Missbrauch die Gäste bewegt. "1997 wurde ich von Harvey Weinstein vergewaltigt", sagte die 42-Jährige bei der Abschlussgala.

Weinstein könnte wegen Übergriffen gegen die frühere Schauspielerin Lucia Evans belangt werden. Sie hatte im Interview mit dem Magazin "The New Yorker" erklärt, der Produzent habe sie 2004 bei einem Arbeitstreffen in seinem Büro zum Oralsex gezwungen. Eine offizielle Bestätigung, dass ihr Fall vor Gericht gehe, gab es zunächst nicht.

Am Donnerstag war auch bekannt geworden, dass die Ermittlungen gegen Weinstein in den USA auf Bundesebene ausgeweitet worden waren. Die Ermittler wollen unter anderem herausfinden, ob der 66-Jährige etwa Frauen dazu gebracht habe, über Staatsgrenzen hinweg zu reisen, um sie belästigen zu können. Laut "New York Times" wird auch untersucht, ob Weinstein gegen das Anti-Stalking-Gesetz verstoßen habe, etwa um Opfer einzuschüchtern.

Der einst einflussreiche Filmproduzent hat Fehlverhalten eingeräumt, bisher aber Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex zurückgewiesen. Die von ihm gegründete Filmfirma hatte Weinstein nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Oktober 2017 entlassen, seine Frau hat sich inzwischen von ihm scheiden lassen.

Viele Filmstars mit Vorwürfen konfrontiert

Seit Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen Weinstein wirbeln immer mehr Vorwürfe gegen prominente Filmschaffende die Branche auf. Eine unter den Schlagworten #MeToo und #TimesUp bekannt gewordene Bewegung entstand, die weitere Branchen und Länder erfasste. Nach Weinstein wurden in den USA unter anderem auch Regisseur James Toback, "House of Cards"-Star Kevin Spacey, Oscar-Preisträger Dustin Hoffman und "Rush Hour"-Regisseur Brett Ratner mit Vorwürfen sexueller Belästigung und Machtmissbrauch konfrontiert.

Am Donnerstag waren zudem Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Oscar-Preisträger Morgan Freeman bekannt geworden. "Jeder der mich kennt oder mit mir gearbeitet hat, weiß, dass ich nicht jemand bin, der absichtlich verletzen oder wissentlich jemandem ein unbehagliches Gefühl vermitteln würde", schrieb Freeman als Reaktion in einer Stellungnahme. "Ich entschuldige mich bei jedem, der sich unwohl oder nicht respektiert fühlte - das war nie meine Absicht."

( Agenturen ) Erstellt am 25.05.2018