Chronik | Welt
09.08.2017

Autoattacke bei Paris: Verdächtiger festgenommen

Das mutmaßliche Tatfahrzeug wurde auf einer Autobahn gestoppt, er wurde durch Polizeischüsse verletzt.

(*Update: Der Verdächtige konnte festgenommen werden, seine Identität ist inwischen geklärt)

Der Angriff auf Soldaten nahe Paris mit sechs Verletzten geht offenbar auf das Konto eines Algeriers. Der 36-Jährige habe im Großraum Paris gelebt und sei nicht vorbestraft, hieß es am Mittwoch vonseiten der Ermittler. Der Mann war nach einer Verfolgungsjagd in Nordfrankreich festgenommen worden. Als er versuchte zu fliehen, wurde er demnach durch Schüsse verletzt.

Sechs Verletzte

Der 36-Jährige war zuvor am frühen Mittwochmorgen in einem Vorort von Paris in eine Gruppe von 16 Soldaten gerast. Sechs Menschen wurden dabei verletzt, die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Sie habe eine Untersuchung wegen versuchten Mordes an Amtspersonen in Verbindung mit einem Terrorvorhaben eröffnet, teilte die Behörde noch am Vormittag mit.

Nähere Angaben zum Ablauf des Vorfalls in Levallois-Perret oder zu Hintergründen der Tat konnte eine Sprecherin der Behörde zunächst nicht machen. Bürgermeister Patrick Balkany sagte jedoch, es gebe "keinen Zweifel", dass die Tat absichtlich begangen worden sei.
Das Fahrzeug habe sich zuvor auf der Straße positioniert: Der Fahrer habe augenscheinlich darauf gewartet, dass die Soldaten zu ihrem Fahrzeug gehen, und sei dann mit seinem BMW sehr schnell auf sie zugerast. „Das ist eine abscheuliche Aggression“, sagte der Bürgermeister gegenüber Journalisten.

Ein Terrorattentat wird als eine von drei möglichen Motiven untersucht. Die beiden weiteren Möglichkeiten sind, dass es sich um die Tat eines Psychopathen oder aber einer Person gehandelt hat, die nach einem Unfall Angst bekam und flüchtete, hieß es laut RTL Belgien in Militärkreisen am Mittwoch.

Die Soldaten sollen zur Anti-Terror-Operation Sentinelle gehören, die in vielen französischen Städten patrouilliert. Hinweise auf das Motiv des Fahrers sind bislang nicht bekannt.

Französische Sicherheitskräfte waren schon mehrfach Ziel von Anschlägen, im April wurde ein Polizist auf den Pariser Champs-Élysées erschossen. Am Wochenende war ein Mann mit einem Messer am Eiffelturm festgenommen worden, der in einer Vernehmung sagte, er habe einen Anschlag auf einen Soldaten geplant. Er wurde inzwischen in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

Präsident Emmanuel Macron dankte unterdessen den Sicherheitskräften für ihren Einsatz. Er sagte den Soldaten Unterstützung zu, die der Anti-Terror-Mission "Sentinelle" (Wache) dienen. Nach Angaben des französischen Innenministeriums war es bereits der sechste Angriff auf Kräfte der Anti-Terror-Mission. Sie wurde nach den Anschlägen vom Jänner 2015 ins Leben gerufen und umfasst insgesamt 7.000 Soldaten.

Soldaten und Polizisten im Visier

5. August 2017 - Paris Ein 19-Jähriger zückt am Eiffelturm ein Messer und schreit "Allah ist groß", lässt sich dann aber widerstandslos festnehmen. Nach eigenen Angaben steht der Franzosen, der seit Jahren unter psychischen Problemen leidet, in Kontakt zur Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und wollte einen Soldaten angreifen. Er wird in eine Klinik eingewiesen.

19. Juni 2017- Paris Mit einem Auto rammt ein 31-Jähriger auf dem Pariser Boulevard Champs-Elysées einen Mannschaftswagen der Polizei. Der als islamistischer Gefährder geführte Angreifer stirbt in seinem Auto, Polizisten werden nicht verletzt. In dem Wagen finden die Ermittler Gasflaschen, Waffen und tausende Schuss Munition.

6. Juni 2017 - Paris Ein mit einem Hammer bewaffneter Mann greift vor der Pariser Kathedrale Notre-Dame Polizisten an. Der Algerier, der sich als "Soldat des Kalifats" bezeichnet, wird von einem der Beamten niedergeschossen und schwer verletzt.

20. April 2017 - Paris Auf den Champs-Elysées feuert ein vorbestrafter Franzose mit einer Kalaschnikow auf ein Polizeiauto und tötet einen Polizisten, bevor er selbst erschossen wird. Bei ihm wird ein Zettel gefunden, auf dem er sich zum IS bekennt. Die Jihadistenmiliz nimmt die Tat für sich in Anspruch.

18. März 2017 - Paris Ein mehrfach vorbestrafter Franzose greift auf dem Pariser Flughafen Orly mit einem Schrotrevolver eine Soldatenpatrouille an und schreit, er wolle für "Allah" sterben. Der 39-Jährige wird von den Soldaten erschossen.

3. Februar 2017 - Paris Mit Macheten attackiert ein Ägypter am Pariser Louvre-Museum eine Militärpatrouille und verletzt einen Soldaten leicht. Der Angreifer wird durch Schüsse schwer verletzt.

13. Juni 2016 - Magnanville bei Paris Wenige Tage nach Beginn der Fußball-EM in Frankreich ersticht ein Islamist im nahe Paris gelegenen Magnanville einen Polizisten und dessen Lebensgefährtin. In einem Video bekennt der später erschossene Angreifer sich zum IS.

7. Januar 201 - Paris Am Jahrestag des Anschlags auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" greift ein mit einem Fleischermesser bewaffneter Mann ein Polizeirevier in Paris an und wird erschossen. Er trägt ein Schreiben bei sich, in dem er der IS-Miliz die Treue schwört.

3. Februar 2015 - Nizza Mit einem Messer greift ein Mann im südfranzösischen Nizza drei Soldaten an, die vor einem jüdischen Gemeindezentrum Wache stehen. In Verhören bringt er seinen Hass gegen Frankreich, Soldaten und Juden zum Ausdruck.

8. Jänner 2015 - Montrouge bei Paris Einen Tag nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" erschießt der Islamist Amédy Coulibaly - ein Komplize der "Charlie Hebdo"-Angreifer - im Pariser Vorort Montrouge eine unbewaffnete Gemeindepolizistin. Am folgenden Tag tötet er bei einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt vier Menschen, bevor er von Elitepolizisten erschossen wird.

25. Mai 2013 - Paris Bei einer Patrouille im Pariser Geschäftsviertel La Défense wird ein Soldat von einem Mann mit einem Teppichmesser verletzt. Der einige Tage später festgenommene Angreifer gibt an, im Namen seiner "Religion" gehandelt zu haben.

März 2012 - Südfrankreich Der Islamist Mohamed Merah ermordet in Toulouse und Montauban in Südfrankreich insgesamt drei Soldaten. Einige Tage später tötet er vor einer jüdischen Schule drei Kinder und einen Lehrer. Merah wird später von Polizisten erschossen.