Chronik | Welt
10.03.2014

Flug MH370: Rückschläge für die Ermittler

Ein falscher Passagier wurde identifiziert. Die Suche nach Wrackteilen bleibt erfolglos.

Vor einem "beispiellosen Rätsel" stehe man bei der Suche nach Flug MH 370. Der Chef der malaysischen Luftfahrtbehörde, Azharuddin Abdul Rahman, gab sich am Montag vor der Presse ebenso ratlos wie die Ermittler und Suchtrupps aus zehn Ländern, die nach Anhaltspunkten und Trümmern im Südchinesischen Meer suchen. Der Radius wurde ausgeweitet.

Drei Tage nach dem mysteriösen Verschwinden einer Boeing 777-200 der Malaysia Airlines kam ein doppelter Rückschlag für die Ermittler. Die ersten vagen Anhaltspunkte hatten sich am Montag wieder in Luft aufgelöst. Die Ölspur, die im Meer entdeckt worden war, stammt nicht von der Boeing, sondern von Schiffen. Das vermeintliche Rettungsboot im Meer entpuppte sich als Hülle einer Kabeltrommel.

Immerhin konnte die Identität eines der beiden Pass-Diebe an Bord des Fluges – mittels Überwachungsvideos – geklärt werden. Es war zunächst nicht klar, ob sich der Ausländer legal oder illegal in Malaysia aufgehalten hatte. Wegen des mysteriösen Verschwindens der Maschine hatte sich ein Terrorverdacht breit gemacht. Könnte es sein, dass die Männer mit den gefälschten Pässen einen Anschlag verübt haben? Doch von mehreren Seiten wird betont, dass die gestohlenen Pässe nicht unbedingt in Zusammenhang mit dem Absturz stehen müssen.

Kuala Lumpur gilt als Dreh- und Angelpunkt für illegale Migration. Laut Reuters reisen Migranten von dort über Peking oder Westafrika mit gestohlenen oder gefälschten Dokumenten nach Europa. Interpol hatte die Kontrollen am Flughafen Kuala Lumpur deshalb kritisiert. Auch dem malaysischen Innenminister war ein Rätsel, wieso dem Flughafenpersonal nicht aufgefallen ist, dass die betreffenden Personen nicht "wie ein Italiener und ein Österreicher" ausgesehen hatten. Die beiden Pässe wurden 2012 und 2013 auf Phuket in Thailand gestohlen. Bei simpler Registrierung am Samstag am Airport wäre das aufgefallen.

Vor allem aus China kommt heftige Kritik. 154 der 227 vermissten Passagiere sind Chinesen. Peking hat mittlerweile ein eigenes Ermittlerteam nach Kuala Lumpur geschickt. Es soll wohl auch die Arbeit der malaysischen Kollegen überwachen.

Sichere Airline

Eine von 17 Boeing 777-200 von Malaysia Airlines, unterwegs von Kuala Lumpur nach Peking, verschwand am Samstag vor der Küste Vietnams bei gutem Wetter in 10.000 Metern Höhe plötzlich vom Radar. An Bord waren 227 Passagiere und 12 Crew-Mitglieder. Die Piloten des Fluges MH 370 hatten weder von Schwierigkeiten berichtet noch ein Notsignal abgegeben. Eine Explosion wurde von US-Aufklärungssatelliten nicht registriert. Bis Montag wurden auch keine Wrackteile gefunden.

Malaysia Airlines gilt als relativ sicher. Sie schreibt ohnehin seit Jahren Verluste und muss nach dem Absturz wohl mit weiteren Passagier-Rückgängen rechnen. Die Aktien der Fluggesellschaft brachen am Montag ein.

Wer ist an der Suche beteiligt?

Das Suchgebiet im Meer zwischen Malaysia und Vietnam ist Zehntausende Quadratkilometer groß. Eine Übersicht über die an der Suche beteligten Schiffe und Flugzeuge.

Malaysia: 18 Flugzeuge, 27 Schiffe. Das Land, in dessen Luftraum die Boeing 777-200 Samstag früh vom Radar verschwand, hat die Federführung bei der Suche.

Vietnam: zwei Flugzeuge, sieben Schiffe. Weitere fünf Flugzeuge und vier Schiffe stehen bereit. Der letzte Funkkontakt fand eine Minute vor Eintritt der Maschine in den vietnamesischen Luftraum statt.

China: vier Such- und Rettungsschiffe und zwei Kriegsschiffe. Fast zwei Drittel der Menschen an Bord waren Chinesen. Eines der Kriegsschiffe hat zwei Hubschrauber an Bord sowie zehn Taucher.

Singapur: zwei Kriegsschiffe, ein U-Boot, ein Sikorsky-Marine-Hubschrauber, ein C130-Flugzeug. Das U-Boot hat Taucher an Bord.

Thailand: ein Super Lynx-Hubschrauber, ein Patrouillenboot. Zwei weitere Schiffe sind im Golf von Thailand abrufbereit.

Australien: zwei AP-3C Orion-Langstreckenflugzeuge.

Philippinen: ein Fokker-27-Flugzeug, ein Islander-Flugzeug und zwei Patrouillenboote. Ein weiteres Schiff und ein Flugzeug stehen auf Abruf bereit.

Indonesien: eine Korvette und vier Schnell-Patrouillenboote sowie ein Aufklärungsflugzeug.

USA: zwei Kriegsschiffe, die "USS Pinckney" and die "USNS John Ericsson", ein P-3C Orion-Flugzeug. Der Zerstörer "USS Pinckney" hat zwei MH-60R-Hubschrauber für Such- und Rettungseinsätze an Bord.