Festnahmen nach Discobrand

Relatives of the victims of the fire at Boate Kiss
Foto: Reuters/STRINGER/BRAZIL Angehörige trauern in Santa Maria.

Nach dem verheerenden Brand in einer Disco in Santa Maria wurde unter anderen der Club-Besitzer verhaftet.

Nach der Brandkatastrophe in einer Diskothek hat die brasilianische Polizei mehrere Menschen vorläufig festgenommen. Wie brasilianischen Medien übereinstimmend berichteten, handelt es sich dabei unter anderen um einen der Besitzer des Clubs „Kiss“ sowie ein Mitglied der Band Gurizada Fandangueira. Die Musikgruppe hatte während ihres Auftritts in der Nacht auf Sonntag eine pyrotechnische Show-Einlage präsentiert, wodurch das Feuer in dem Nachtclub in Santa Maria vermutlich ausgelöst wurde.

Nach jüngsten Angaben starben 233 junge Menschen bei dem verheerenden Brand im Nachtclub Kiss in Santa Maria im Süden des Landes. Präsidentin Dilma Rousseff brach eine Auslandsreise ab und ordnete drei Tage Staatstrauer an. "Es ist für uns alle eine Tragödie", sagte sie. Auch die für Montag in Brasilia geplante Feier anlässlich des Countdowns für die verbleibenden 500 Tage bis zum WM-Anpfiff wurde abgesagt. Die Organisatoren sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus.

Die Diskothek war zu einer tödlichen Falle geworden, als gegen 02.30 Uhr am Sonntagmorgen ein Feuer ausbrach. Die meisten Opfer starben durch Rauchvergiftung.

Bei den Opfern handelt es sich um 120 junge Männer und 113 Frauen. Über 100 Menschen sind noch in Krankenhäusern. Die Mehrheit leide an Rauchvergiftung. Etwa ein Fünftel der Verletzten habe bei dem Unglück Brandwunden erlitten, sagte Gesundheitsminister Alexandre Padilha. 30 Patienten seien an Atemgeräte angeschlossen.

Nach der verheerenden Brandkatastrophe in einer Diskothek in Santa Maria herrscht in Brasilien tiefe Trauer. Doch nicht nur in Brasilien ist der Schock groß. Die Nachricht von dem Unglück sorgte weltweit für Bestürzung. Die Teilnehmer des Gipfels der EU und der Staaten Lateinamerikas und der Karibik gedachten in Chile der Opfer der Tragödie. Auch eine für Montag geplante Feier im Vorfeld der Fußball-WM wurde abgesagt. Auf den Friedhöfen in der Universitätsstadt Santa Maria wurden am Montag bereits die ersten Opfer beigesetzt. In Brasilien müssen Bestattungen grundsätzlich etwa 24 Stunden nach dem Tod erfolgen. Trauernde legten vor dem Gebäude, in dem sich der Club "Kiss" befand, Blumen nieder. Präsidentin Dilma Rousseff brach eine Auslandsreise ab und ordnete drei Tage Staatstrauer an. Zur Vorgeschichte: Es hätte ein ausgelassener Abend werden sollen, und endete für über 200  junge Menschen tödlich. In der Diskothek "Kiss" in Santa Maria im Süden Brasiliens war am Sonntagmorgen gegen 2.00 Uhr ein Feuer ausgebrochen. Der Brand war nach dem Auftritt einer Rockband vermutlich durch deren Pyrotechnik-Show ausgelöst worden. Die Feuerwehr kämpfte über fünf Stunden gegen die Flammen an. Viele Augenzeugen waren fassungslos. Nach dem Brand versammelten sich vor der Disco Menschen, die ihre Angehörigen unter den Opfern vermuteten. Für viele wurden die Befürchtungen zur bitteren Wahrheit: 232 Tote. Gouverneur Genro kündigte eine groß angelegte Untersuchung an, um zu klären, wer die Verantwortung für die vielen Toten trägt.

Ausgang versperrt, Feuerlöscher kaputt

Zu der Tragödie in der Universitätsstadt Santa Maria kam es nach ersten Erkenntnissen, als eine Band während ihres Auftritts eine Art Leuchtfackel als pyrotechnische Show-Einlage entzündete. Die Funken setzen vermutlich das Dämmmaterial aus Isolierschaum an der Decke in Brand. Es verbreitete sich ein hochgiftiger Rauch, dem sofort viele der Nachtclub-Besucher zum Opfer fielen. Ein Mitglied der Band "Gurizada Fandangueira", die auf der Bühne spielte, kam ebenfalls ums Leben. Ein Bandmitglied soll versucht haben, den Brand zu löschen, allerdings funktionierte der Feuerlöscher nicht.

Die Feuerwehr erklärte, dass zum Zeitpunkt der Katastrophe eine wichtige Tür abgeschlossen war. In der Diskothek kam es zu einer Massenpanik. Zeugen berichteten zudem, dass die Sicherheitsleute des Nachtclubs am Anfang nur Besucher hätten herauslassen wollen, die auch ihre Rechnung bezahlt hätten. In Brasilien ist es üblich, dass man Eintritt, Getränke und Essen auf einem eigenen Zettel vermerken lässt und erst beim Verlassen der Diskothek bezahlt.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Feuerwehrleute und Besucher verzweifelt Körper aus dem völlig verqualmten Eingang ziehen. Die Bilder zeigten auch viele auf dem Boden liegende Leichen. Sie wiesen aber keine Brandverletzungen auf. In der Diskothek konnten bis 2.000 Besucher feiern. Wie viele Menschen in der Nacht auf Sonntag tatsächlich in dem Gebäude waren, war weiter unklar.

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Die Nachricht von dem Unglück sorgte weltweit für Bestürzung. Die Teilnehmer des Gipfels der EU und der Staaten Lateinamerikas und der Karibik gedachten in Chile der Opfer der Tragödie. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls in Chile war, sprach Rousseff ihr Beileid aus. Eine für am Montag in Brasilia geplant Feier anlässlich des Countdowns für die verbleibenden 500 Tage zum Anpfiff der WM in Brasilien wurde abgesagt.

Präsidentin tröstet Angehörige

Rousseff war nach der Nachricht über die Tragödie direkt von Chile nach Santa Maria geflogen. Dort sprach sie in einem Gymnasium mit Familien und Freunden der Opfer. Es kam zu erschütternden Szenen. Die Staatschefin nahm dabei Angehörige in den Arm. Sie wurde vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Marco Maia, begleitet. "Das ist die Art von Tragödie, die man sich nicht vorstellen kann", sagte er.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich tief betroffen, dass so viele junge Menschen bei der Tragödie den Tod fanden. In einem Beileidstelegramm brachte Papst Benedikt XVI. am Montag seine Betroffenheit über die Katastrophe vom Wochenende mit mehr als 230 Toten zum Ausdruck. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone übermittelte das Telegramm im Namen des Papstes an den Erzbischof von Santa Maria, Helio Adelar Rubert, teilte der Vatikan mit. Das Oberhaupt der katholischen Kirche bete für die Toten und Verletzten.

BRAZIL FIRE ROUSSEFF Foto: APA/ROBERTO STUCKERT FILHO / BRAZILIAN PRESIDENCY / HANDOUT Präsidentin Rousseff nimmt eine Angehörige eines Opfers in den Arm

Die 270.000-Einwohner-Stadt Santa Maria ist etwa 300 Kilometer von Porto Alegre entfernt und Standort einer der größten öffentlichen Universitäten des Landes. Der Süden Brasiliens beheimatet auch die größte Gemeinde deutscher Auswanderer. Viele von ihnen kamen vor Generationen nach Brasilien. Auf der Liste der Opfer finden sich auch deutschsprachige Nachnamen. Allerdings wurde nichts über mögliche Ausländer unter den Opfern bekannt.

(APA/dpa / jt, tan) Erstellt am
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