Chronik | Welt
04.08.2017

Ferien im Lande der Scharia

Das Königreich plant ein Urlaubsgebiet, in dem Alkohol und Geld fließen sollen.

Am Abend bei Zigarre und Whisky Frauenfußball schauen, ehe es am nächsten Tag an den Badestrand geht, wo das Tragen eines Bikinis nicht mit Peitschenhieben geahndet wird. Das alles soll in den kommenden Jahren für Touristen in Saudi-Arabien möglich sein – vorausgesetzt sie halten sich in der dafür vorgesehenen Zone auf.

Auf einem Gebiet von 34.000 Quadratkilometern – größer als Belgien – will das wahhabitische Land ein Tourismus-Ressort etablieren, und damit "Luxus-Urlauber aus aller Welt" anziehen. 50 bisher naturbelassene Inseln im Roten Meer sollen dafür in Urlaubsparadiese, ähnlich der Malediven, umgewandelt werden. Im Internet kursiert bereits ein Werbevideo für das Projekt, das in zwei Jahren begonnen werden soll. Die ersten Hotels sind für 2022 geplant.

Da in Saudi-Arabien eine strenge Auslegung der Scharia gilt, in der unter anderem der Konsum von Alkohol oder eine Frau am Steuer verboten ist, soll für die Urlaubsregion eine entschärfte Rechtslage her. Dass außerhalb des Gebietes nach wie vor andere Regeln gelten, beweist die Festnahme einer Einheimischen vor wenigen Wochen. Die Frau war in einem Rock und mit offenen Haaren spazieren gegangen.

Urlaub in einem Land, das es mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt, stellt erfahrungsgemäß keine großen Probleme für Touristen dar. Vor allem ist die Gegend weit weg vom politischen Geschehen.

Das Tourismus-Projekt ist Teil des "Vision 2030"-Plans von Prinz Mohammed Bin Salman, dem jetzigen Verteidigungsminister und Thronfolger Saudi-Arabiens. Dadurch möchte er die Abhängigkeit seines Landes vom Ölhandel reduzieren.

Touristische Erfahrung

Jährlich kommen mehr als 18 Millionen Touristen nach Saudi-Arabien – dies sind aber muslimische Pilger, die ihre "Haddsch" nach Mekka unternehmen.

Bis 2027 sollen durch das neue Projekt über 31 Millionen Menschen im Jahr angelockt werden. Durch die Urlaubszone versprechen sich die Initiatoren 3,6 Milliarden Euro jährlich, Zehntausende Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

Bin Salman versucht seit geraumer Zeit, Saudi-Arabien gesellschaftlich zu öffnen – vermehrt ließ er Konzerte, Kinovorführungen und Comic-Conventions organisieren. Zumindest nach Außen will Salman auch eine liberalere Frauenpolitik vertreten: Im Februar gründete Saudi-Arabien einen Mädchenrat, der "Frauen und Mädchen eine Stimme verleihen soll." Allerdings dürfen dort nur Männer Mitglieder sein.