Schemenhafte Figuren im Tunnel der Loveparade zum Gedenken an die Tragödie.

© APA/dpa/Martin Gerten

Duisburg
09/01/2015

Erster Prozess um Loveparade-Katastrophe

Feuerwehrmann fordert im Zivilprozess rund 90.000 Euro. Richter macht wenig Hoffnung: "Berufsrisiko".

von Tanja Teufel

Am 24. Juli 2010 ereignete sich in Duisburg eine Tragödie, die auch das Leben des Feuerwehrmannes Ralf S. verändert hat. Am Dienstag beschäftigt sich nun erstmals ein deutsches Gericht in einem Zivilprozess mit dem Fall.

Ralf S. war als Feuerwehrmann auf der Loveparade im Dienst, als es zu einer Massenpanik kam, bei der 21 Menschen den Tod fanden und Hunderte zum Teil schwer verletzt wurden. S. war als Kundschafter auf dem Gelände im Einsatz, auf dem sich das Drama abspielte und es bereits Meldungen über Todesopfer gab.

Die schrecklichen Bilder ließen den 53-Jährigen anschließend nicht mehr los, begründet dieser seine Klage und fordert wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung rund 90.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld. Seinen Beruf könne er nicht mehr ausüben. Seine Belastungsstörung wurde als Dienstunfall anerkannt, S. ist in Frühpension.

Wenig Aussicht auf Erfolg

Die Richter allerdings machen dem 53-Jährigen wenig Hoffnung. "Wir sehen für Ihre Klage keine Aussichten auf Erfolg", sagte der Vorsitzende Richter Stefan Ulrich.

In dem Zivilverfahren gehe es nicht darum aufzuklären, wie die Katastrophe habe geschehen können. Es gehe lediglich darum, mögliche Ansprüche von Geschädigten nach dem deutschen Haftungsrecht zu prüfen, betonte Ulrich.

"Berufsrisiko"

Bei Ralf S. handle es sich jedoch womöglich um einen "mittelbar Geschädigten". Als Beobachter des Unglücks habe er jedoch keine Schadenersatzansprüche. Vielmehr sei seine geltend gemachte Erkrankung dem "typischen Berufsrisiko" eines Feuerwehrmanns zuzurechnen. Mit einer Entscheidung des Gerichts wird am 5. Oktober gerechnet.

Strafprozess fraglich

Bei der Loveparade-Katastrophe waren am 24. Juli 2010 in einem Gedränge am Zugangsbereich des Loveparade-Geländes 21 Menschen ums Leben gekommen, weit mehr als 500 wurden verletzt. Noch unklar ist, ob es wegen der Tragödie demnächst auch einen Strafprozess geben wird. Die Entscheidung könnte im Herbst fallen.

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