Chronik | Welt
13.11.2017

Duterte hat mein Leben gerettet

Ein ehemaliger Drogenabhängiger erzählt, wie er die Präsidentschaft Rodrigo Dutertes erlebt.

Mit Spannung wird erwartet, wie der philippinische Präsident sich als Gastgeber des Gipfeltreffens des ASEAN-Staatenbundes macht. Das erste Treffen zwischen Rodrigo Duterte und US-Präsident Trump am Sonntag verlief ohne Faux-pas. Von vielen Filipinos wird Duterte ohnehin verehrt - vor allem für seinen Kampf gegen Drogen. Hier gehört auch Trump zu seinen deklarierten Fans.

"Duterte hat mein Leben gerettet", sagt David im Gespräch mit dem KURIER. Wenn er über den Präsidenten spricht, beginnen seine Augen zu leuchten. Vor allem am Land genießt Duterte ein Ansehen, das mit dem eines Comic-Helden vergleichbar ist. "The Punisher" nennen sie ihn, in Anlehnung an den Marvel-Verbrecherjäger, der auch vor den grausamsten Methoden nicht zurückschreckt. "Einmal hat er einen Touristen, der im Rauchverbot geraucht hat, mit vorgehaltener Pistole dazu gezwungen, die Zigarette mitsamt Stummel zu essen", sagt David lachend.

Crystal Meth

Jahrelang war er drogenabhängig, am Rande seiner Existenz. "Shabu ( Crystal Meth) hat mir den Kopf zerstört, ich konnte nur noch daran denken, verlor meinen Job und meine Freunde", sagt der 34-Jährige. Crystal Meth ist mit Abstand die gefährlichste Droge auf den Philippinen: 95 Prozent der Abhängigen sind ihr verfallen.

Als Duterte im Juni 2016 an die Macht kam, startete er einen Krieg gegen die Drogenkartelle, die Einfluss auf hohe politische Ämter ausübten. Beispielsweise wurde der Bürgermeister von Quezon (ein Teil von Manila) dabei erwischt, wie er in einem Rettungsauto 500 Kilogramm Shabu schmuggeln wollte. Polizei und Auftragskiller gingen bereits ab Juli 2016 erbarmungslos gegen die Drogenbanden vor, 3900 Menschen wurden seither offiziell erschossen, die Dunkelziffer wird mit 13.000 deutlich höher geschätzt. So genannte Todesschwadronen sollen Tausende Menschen mit der Erlaubnis Dutertes erschossen haben, darunter auch Minderjährige.

Selbstanzeige bei der Polizei

"Es war der Horror. Täglich gab es neue Schießereien, neue schreckliche Nachrichten. Als dann ein Bekannter von mir erschossen wurde, wusste ich, dass ich so nicht weitermachen kann. ,Entweder Du nimmst weiter Drogen und stirbst – ob langsam durch das Gift oder schnell durch die Kugel – oder Du reißt Dich zusammen und hörst auf mit dem Zeug’, sagte ich mir", erzählt David.

Zusammen mit 650.000 anderen Drogenabhängigen zeigte er sich selbst bei der Polizei an. Für David war das kein leichter Schritt: "Am Anfang hatte ich große Angst, mich zu stellen, doch die Polizisten gingen fair mit mir um. Nach einer gewissen Entzugszeit durfte ich mich frei bewegen, wurde aber überwacht. Hin und wieder musste ich einen Drogentest machen. Wäre der positiv gewesen, hätte ich eine lange Zeit im Gefängnis verbracht." Durch die vielen Verhaftungen quellen die Gefängnisse über, die Nachfrage an Wärtern ist hoch, lokale Medien schreiben von Lebensmittelengpässen für die Gefangenen.

"Rowdy ohne Manieren"

Duterte geht hart gegen Kritiker vor: Dem philippinischen Menschenrechtskommissar Jose Luis Gascon wollte er das Budget für das kommende Jahr auf 18 Euro (!) kürzen. Als Gascon den Drogenkrieg nach der Erschießung zweier 17-Jähriger kritisierte, beschimpfte Duterte ihn primitivst: "Warum sind Sie so interessiert an Teenagern? Sind sie schwul oder ein Pädophiler?", fragte er ihn. Was für jeden westlichen Präsidenten politischer Selbstmord wäre, kommt bei den Filipinos gut an: "Klar ist er ein Rowdy und hat keine Manieren. Aber lieber habe ich einen Präsidenten, der hässlich redet und Gutes tut, als umgekehrt", sagt David. 80 Prozent der Filipinos dürften ihm Recht geben – so hoch sind Dutertes Beliebtheitswerte derzeit.

Teufelskreis durchbrechen

"Ihr Europäer könnt euch nicht vorstellen, wie die Situation bei uns ist. Die Terroristen verkaufen die Drogen an die arme Bevölkerung und rekrutieren sie dann mit dem Drogengeld. Duterte versucht, diesen Teufelskreis zu durchbrechen", sagt David. Er selbst bezweifelt, dass Duterte tatsächlich Kriminalität, Korruption und Terrorismus beenden wird können, "aber seine Präsidentschaft ist ein Schritt in die richtige Richtung. Er hat uns aus einer jahrelangen Lethargie befreit".

Erst am Mittwoch wurde Dutertes Vorgänger Benigno Aquino angezeigt. Ihm droht ein Verfahren wegen Korruption. Wie beinahe allen ehemaligen Präsidenten der Philippinen.