Chronik | Welt
03.05.2017

Dresdner machen Musik gegen Trumps Mauer

Die Dresdner Sinfoniker möchten die mexikanische Grenze "zum Erklingen bringen".

"Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!", rief der damalige US-Präsident Ronald Reagan am 12. Juni 1987 in Berlin. Jetzt, drei Jahrzehnte später, möchte ein anderer republikanischer Präsident eine Mauer aufbauen. "Schön und gewaltig" muss das Bauwerk laut Donald Trump werden, das Mexiko und die USA trennen soll.

Die Dresdner Sinfoniker möchten dagegen ein Zeichen setzen: Am 3. Juni wollen sie, zusammen mit mexikanischen und US-amerikanischen Musikern, ein grenzübergreifendes Konzert am schon bestehenden Zaun veranstalten. "Unser Happening richtet sich nicht nur gegen die von Trump geplante Mauer, sondern auch gegen die weltweite Tendenz zur Isolation und die Mauer in den Köpfen", sagt der Intendant Markus Rindt gegenüber dem KURIER.

Die Idee, diese Aktion zu starten, kam ihm, als er in den Nachrichten von den Mauerplänen Trumps erfuhr. "Ich bin selbst in der DDR aufgewachsen und später geflohen. Viele andere Sinfoniker kennen dieses Gefühl genauso wie ich. Jeder erinnert sich an die Bilder, als Deutschland wiedervereinigt war und jetzt fängt man wieder an, Mauern zu bauen. Für mich ist das unglaublich und da entschied ich mich dazu, ein Zeichen zu setzen", sagt er.

Die Dresdner Sinfoniker sind derzeit auf Tournee in Mexiko und werben für die Aktion. Sie selbst wollen an der Mauer zwischen den Grenzorten Tijuana und San Diego spielen. "Zwei große Musikinstitute aus Tijuana haben schon ihre Unterstützung angekündigt – das sind mehrere hundert Menschen, die an verschiedenen Punkten der Mauer auftreten werden. Mein Ziel ist es, dass an jedem Ort an der Grenze musiziert wird. Das wäre ein international gültiges Zeichen", sagt Rindt.

40 Meter Abstand

Das Konzert soll im sogenannten Freundschaftspark stattfinden, ursprünglich direkt an der US-mexikanischen Grenze. Jedoch haben die hiesigen Sicherheitskräfte den Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht: "Wir müssen 40 Meter Abstand zur Mauer halten, nicht einmal die amerikanischen Musiker dürfen näher herankommen. Das ist absurd", findet Rindt. Daher ist ein "Frage-Antwort"-Stück geplant. Die eine Seite spielt, die andere musiziert zurück.

Die anderen Künstler werden dazu aufgerufen, ihre Konzerte zu filmen und unter dem Hashtag "teardownthiswall" (reiße diese Mauer ein) ins Internet zu stellen.