Dld.: Uralt-Kraftwerk soll Stromlücke decken

Hat sich die deutsche Bundesregierung zu voreilig auf den Ausstieg aus der Atomenergie geeinigt? Im Winter könnte es zu Stromengpässen kommen. Diese Lücke sollen jetzt über die Inbetriebnahme von Steinkohlekraftwerken geschlossen werden.
Foto: dpa/Roland Weihrauch

In Baden-Württemberg soll ein 45 Jahre altes Steinkohlekraftwerk im Winter Strom liefern und Engpässen vorbeugen.

Deutschland will die Energiewende. Nach der Fukushima Katastrophe hatten Union, FDP, SPD und Grüne den Aussteig aus der Atomenergie gefordert. Anfang August hat der deutsche Bundespräsident Christian Wulff das Gesetz für den Atomausstieg bis zum Jahr 2022 unterschrieben. Der Haken: Nach der Abschaltung von acht der 17 deutschen Atomkraftwerke könnte in den sonnenarmen und windschwachen Wintermonaten nicht genügend Strom aus Wind- und Solarenergie zur Verfügung stehen. Darum soll die in den Wintermonaten drohende Stromlücke nun durch eine Wiederinbetriebnahme eines 45 Jahre alten Steinkohlekraftwerks geschlossen werden. Das baden-württembergische Umweltministerium schlug der Bundesnetzagentur am Freitag den 2006 eingemotteten Block 3 des Großkraftwerks Mannheim als sogenannte Kaltreserve vor. Die nötige Umweltschutzgenehmigung könne bis Ende Oktober erteilt werden.

Das als Gemeinschaftsunternehmen von RWE, EnBW und MVV betriebene Großkraftwerk Mannheim (GKM) darf nach den gegenwärtigen Umweltschutzauflagen nur mit vier Blöcken gleichzeitig Strom aus Steinkohle erzeugen. Bei einem Wiederanfahren von Block 3 zur Produktion zusätzlichen Stroms werde es zu keiner Erhöhung der bisher genehmigten Emissionsfrachten kommen, teilte das Umweltministerium in Stuttgart mit. Hierzu würden die zulässigen Emissionsgrenzwerte für alle Blöcke abgesenkt. Anrainer und Bürger sollen im Rahmen einer Informationsveranstaltung angehört werden. Mit Block 3 als Kaltreserve sei eine mögliche Wiederinbetriebnahme eines Atomkraftwerks vom Tisch.

Mitte August bekamen acht österreichische Energieversorger Post von der deutschen Bundesnetzagentur: Da es im süddeutschen Raum unter extremen Umständen im Winter zu einem Stromerzeugungsdefizit kommen könnte, sollten österreichische Stromunternehmen bekanntgeben, ob sie Deutschland im Winter aushelfen könnten (siehe Hintergrund).

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(apa, rts / js) Erstellt am
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