Razzia von 4.30 Uhr bis 8 Uhr: einer der Gesuchten wird abgeführt

© APA/dpa/Gregor Fischer

Großrazzia in Berlin
04/12/2016

Deutschland nimmt kriminelle arabische Clans ins Visier

Acht Tatverdächtige in U-Haft, Flüchtlinge werden offenbar als Nachwuchs angeworben.

von Susanne Bobek

Bei einem Großeinsatz gegen Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien sind Dienstagfrüh in Berlin mehrere Männer festgenommen worden. Es wurden Haftbefehle gegen acht Verdächtige im Alter von 20 bis 56 Jahren vollstreckt. Ihnen werden unter anderem Anstiftung zu einem Auftragsmord, die Beteiligung an einem Raub im Luxuskaufhaus KaDeWe und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

Der Nachrichtensender NTV berichtete in Sondersendungen über die Gefahr arabischer Clans, die die organisierte Kriminalität nicht nur in Berlin, sondern auch in Bremen und Duisburg kontrollieren. Die Täter könnten nur selten gefasst und verurteilt werden, das sie erstens die teuersten Anwaltskanzleien beschäftigten, weil Geld keine Rolle spielt. Und weil sie zweitens ihre Opfer so brutal einschüchtern, dass diese nicht gegen sie aussagen.

Die Razzia am Dienstag richtete sich gegen die Familie Al-Z. Die Mehrheit der Gesuchten wurde im hippen Teil Neuköllns festgenommen, wo es viele Lokale gibt. Also nicht in den berüchtigten No-go-Areas, von denen es in Deutschland immer mehr geben soll. In Duisburg etwa gibt es Viertel, wo die Polizei nur noch mit zwei Streifenwagen anrückt.

Der ehemalige Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky kennt die Szene in Berlin. In NTV sagte er: "Wer in Neukölln ein Geschäft aufmacht, der muss damit rechnen, dass er Besuch kriegt von Versicherungswerbern, sprich von Schutzgeldkurieren."

Drogenhandel

Die etwa 20 libanesisch-palästinensischen Großfamilien kontrollieren den Drogenhandel und das Geschäft mit Prostitution. Deutsche Zuhälter müssten bis zu 50 Prozent ihrer Einnahmen abliefern, rumänische Prostituierte offenbar "Standgeld" zahlen. Der neueste Schmäh sei das Leasen von Luxusautos an Scheinadressen, die nach Osteuropa weiterverkauft würden.

Die Araber kamen meist Ende der 1970er-Jahre aus dem Libanon nach Berlin, kauften billige Häuser und holten nach und nach ihre Verwandten nach. Mehrere Hundert Mitglieder haben die meisten Clans. Eine kleine Haftstrafe gehört zum guten Ton: "Knast macht Männer".

Die Welt am Sonntag berichtete, dass die Familien neuerdings auch die Flüchtlinge entdeckt haben. Sie parken ihre Luxuslimousinen vor den Heimen "und suchen nach jungen starken Männern, die für sie die Drecksarbeit erledigen", wird ein Ermittler zitiert. Den Flüchtlingen, die sich anwerben lassen, werde "eingetrichtert", dass es ihnen selbst nach einer Festnahme in deutschen Gefängnissen besser gehe als im Krieg. "Für die Clans sind die Flüchtlinge willkommener Nachwuchs, weil sie der Polizei nicht bekannt sind", wird der Ermittler zitiert.

Berlins Innensenator Frank Henkel sagt den Clans den Kampf an: "Dieser Schlag gegen die organisierte Kriminalität zeigt, dass der Staat entschlossen gegen die Unterwelt vorgeht. Wir dulden keine rechtsfreien Räume." Kritiker finden, dass man reichlich spät reagiert hat.

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