Chronik | Welt
01.05.2018

Der gläserne Schüler mit digitalem Mitteilungsheft

Schülerdaten sollen im belgischen Flandern künftig auf Karten gespeichert werden – der Widerstand hält sich in Grenzen.

Schülerdaten sollen künftig auf Karten gespeichert werden – der Widerstand hält sich in Grenzen. Der gläserne Schüler – alles auf einen Blick sichtbar: die guten und die schlechten Noten, die Fehlstunden, soziales Verhalten, Lernschwächen und alles Sonstige, was sich an Wissenswertem über den Schüler festhalten lässt. Für die Kinder und Jugendlichen des belgischen Landesteils Flandern wird dies ab Jänner 2019 Realität: Jeder Schüler, vom Taferlklassler bis zum Maturanten, wird einen digitalen Schülerpass erhalten.
 

Die alten Hängekästen, in denen die Schuladministratoren unter den bangen Blicken der Schüler nach deren Akte kramen – sie haben somit endgültig ausgedient. Eine Chip-Karte wird stattdessen alles bieten, was die Schule auf die Schnelle von ihren Schülern wissen muss. Flanderns Erziehungsministerin Hilde Crevits sieht darin eine enorme Verwaltungsvereinfachung für die flämischen Bildungseinrichtungen. Bei einem Schulwechsel, so argumentiert die Ministerin, könne dem neuen Schüler bei seinen Problemen oder Lernschwächen viel schneller geholfen werden. Bisher müsse man erst mühsam Zettel und Formulare ausfüllen, und es dauere oft Wochen, bis an der neuen Schule klar sei, welcher Schüler welche zusätzliche Unterstützung benötige.

Auch wenn die große Mehrheit der Schulen in Flandern den digitalen Schülerpass begrüßt und auch von den Eltern bisher kein Widerstand kam, gibt Pedro De Bryckere, Lehrer an einer höheren Schule in Gent, zu bedenken: „Wir müssen darauf acht geben, dass unsere Kinder eine neue Chance bekommen und dass diese Karte unseren Kindern nicht durch ihre schulische Laufbahn wie eine Rechtsakte folgt.“

Mitspracherecht für Eltern

Was die flämische Bildungsministerin Crevits prompt zurückweist: „Ziel ist es nicht, jeden kleinen Vorfall in diesen Pass einzutragen. Wichtig sind nur die Rahmenangaben, die nötig sind, damit das Kind gut lernt.“

Vom ersten Tag ihrer Schulkarriere an wird der Pass die Entwicklung der Kinder elektronisch festhalten. Erst nach Überschreiten des schulpflichtigen Alters wird der Pass neu aufgesetzt. „Jugendlichen ihre bisherige Performance seit Schulbeginn an weiter mitzugeben, das scheint mir übertrieben“, sagt Ministerin Crevits.

Und: Eltern erhalten teilweise Mitspracherecht, was in den digitalen Schülerpass ihrer Kinder eingetragen werden darf und was nicht. Allzu Privates soll jedenfalls nicht auf der Karte zu lesen sein.