Chronik | Welt
15.11.2017

Bundeswehr: Vergewaltigungsvorwürfe und ein angebliches Video

Ein Soldat soll zwei Kameradinnen vergewaltigt haben. Ein weiterer Soldat soll den Übergriff gefilmt, aber nicht eingegriffen haben.

Ein 29-Jähriger Feldsoldat soll auf einem Truppenübungsplatz der deutschen Bundeswehr in Schleswig-Holstein zwei Soldatinnen vergewaltigt haben. Das berichtete der Spiegel am vergangenen Freitag. Der festgenommene Soldat soll sich nach einer Feier in die Stube der beiden Kameradinnen geschlichen und diese vergewaltigt haben, so der Vorwurf. Die beiden Frauen schlugen Alarm, die lokale Polizei wurde eingeschaltet.

Der Verdächtige kam aber noch am Freitag wieder auf freien Fuß. „Der Beschuldigte ist auf Anordnung der Staatsanwaltschaft aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden, da ein dringender Tatverdacht zurzeit nicht besteht“, teilte der Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Axel Bieler, am Freitagabend mit. „Die Ermittlungen werden fortgesetzt.“

Suspendierung

Am Montag darauf zog die Bundeswehr die Konsequenzen, laut Spiegel wurde der 29-Jährige vom Dienst suspendiert. Formal verhängte die Führung der Luftwaffe gegen ihn ein Dienstausübungs- und Uniformtrageverbot, heißt es weiter. Die ersten Ermittlungen werfen derweil unangenehme Fragen für die Bundeswehr auf. So berichtet der Spiegel, dass ein männlicher Soldat die mutmaßliche Vergewaltigung gefilmt haben soll. Die Aufnahme wurde gelöscht und konnte von den Ermittlern bislang nicht wiederhergestellt werden.

Auch aus der Luftwaffe heißt es, dass mehrere Soldaten von dem Übergriff mitbekommen, aber nichts unternommen hätten. Ein Disziplinarverfahren soll weiteres klären. Und auch das Ausmaß der Feier will die Luftwaffe recherchieren. Gegen den 29-jährigen mutmaßlichen Täter wird jedenfalls weiter ermittelt. Dieser verweigerte bislang jede Aussage. DNA-Proben und andere Spuren vom Tatort sollen zeigen, was tatsächlich passiert ist.