Der Bericht wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz präsentiert.

© APA/EPA/ROBIN VAN LONKHUIJSEN

Ukraine
10/13/2015

Boeing MH17 – viele Fragen offen

Die Boeing wurde von einer Rakete russischer Bauart getroffen, wer schoss, ist unklar.

von Susanne Bobek, Alexandra Koller

Es war eine Buk-Luftabwehrrakete, die bis 1986 von Russland produziert wurde und bis heute auch in den Beständen der ukrainischen Armee vorhanden ist. Rund 205 Raketen des Typs 9M38 habe die Ukraine seit dem Zerfall der Sowjetunion noch. Auch die prorussischen Separatisten sollen über Waffen dieser Bauart noch verfügen.

Der lange erwartete Endbericht der internationalen Expertenkommission unter niederländischer Leitung über die Absturzursache von Flug MH17 lässt viele Fragen offen. Die Boeing der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur in der Donbass-Region abgestürzt. Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben.

"Flug MH17 stürzte ab, weil auf der linken Seite des Cockpits ein Raketenkopf explodierte", schilderte der Vorsitzende des Rates, Tjibbe Joustra bei der Präsentation des Berichts. Von wo die Rakete abgefeuert wurde, sei nicht genau festzustellen, sagte Joustra.

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Wenig später formulierte er es im TV anders: "Es ist ein Gebiet, wo die Grenzen fließend waren. Aber es ist ein Gebiet, wo die pro-russischen Rebellen die Kontrolle hatten." Das bestätigte ein Sprecherin des Rates, wobei die Experten ausdrücklich nicht die Schuldfrage untersuchten. Die Ukraine und Russland machen sich gegenseitig für den Abschuss verantwortlich.

Stunden zuvor hatte Russlands größter Rüstungskonzern Almaz-Antey seine Untersuchungsergebnisse präsentiert. Wenig überraschend sagte Generaldirektor Jan Nowikow, dass die Rakete von ukrainischer Seite aus abgeschossen worden war. "Falls die Boeing mit einem Buk-M1-Raketensystem abgeschossen wurde, wurde sie von einer Rakete vom Typ 9M38 von Saroschtschenske aus getroffen." Sein Konzern produziere seit 1986 keine Raketen dieses Typs mehr; der Restbestand sei seit 2011 Militärschrott, den die Ukraine offensichtlich weiterverwende. Saroschtschenske, der für die Russen wahrscheinlichste Abschussort , war zum Zeitpunkt der Tragödie unter Kontrolle von Regierungstruppen.

Zur Schuldfrage wollte sich Nowikow nicht äußern, die Untersuchungen des Konzerns hätten sich auf die Bestimmung des Abschussortes konzentriert. Weiters sei die Boeing-777 nicht direkt von der Rakete getroffen worden. Sie explodierte auf der linken Seite rund 20 Meter vom Rumpf entfernt.

Tragödie passierte am 17. Juli 2014

Im Sommer 2014 stürzte die Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 über der umkämpften Ostukraine ab. Der niederländische Sicherheitsrat soll die Ursache klären, der Bericht wird am Dienstagnachmittag präsentiert. Ein Rückblick:

17. Juli 2014: Flug MH17 stürzt auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine ab. Alle 298 Menschen an Bord sterben. Die meisten Opfer sind Niederländer. Sofort wird vermutet, die Maschine sei abgeschossen worden. Die ukrainische Regierung und die prorussischen Separatisten machen sich gegenseitig verantwortlich.

21. Juli 2014: Russland wirft mit Angaben über ein ukrainisches Kampfflugzeug, das sich der Unglücks-Boeing genähert haben soll, neue Fragen auf. Zuvor hatte die Ukraine behauptet, umfassende Beweise dafür zu haben, dass die prorussischen Kräfte eine "Buk"-Flugabwehrrakete auf die Passagiermaschine abgefeuert hätten.

9. September 2014: Der erste Untersuchungsbericht des niederländischen Sicherheitsrates schließt menschliches und technisches Versagen aus. Zahlreiche Objekte hätten das Flugzeug von außen durchlöchert, es sei noch in der Luft auseinandergebrochen.

12. September 2014: Die Maschine wurde nach Ansicht der niederländischen Strafermittler vermutlich von einer Flugabwehrrakete abgeschossen.

24. Dezember 2014: Russische Ermittler präsentieren einen mutmaßlichen Zeugen der Tragödie. Der vom ukrainischen Militär desertierte Mann habe glaubwürdig dargelegt, dass die Boeing von einem ukrainischen Kampfjet aus der Luft mit einer Rakete abgeschossen worden sei.

20. Juni 2015: Der russische Präsident Wladimir Putin erklärt, er habe einen Bericht auf den Tisch bekommen, wonach eine Boden-Luft-Rakete von einem "Buk"-Abwehrsystem aus dem von ukrainischen Streitkräften beherrschten Gebiet abgefeuert worden sei.

29. Juli 2015: Russland verhindert im UNO-Sicherheitsrat in New York, dass ein unabhängiges Tribunal zur Untersuchung des Falls eingesetzt wird.

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