Chronik | Welt
02.08.2017

"Beste Rede aller Zeiten": Trump erfindet Pfadfinder-Lob

Das nächste Fettnäpfchen: Der US-Präsident schwärmt von einem schmeichelhaften Anruf des Pfadfinder-Chefs – der weiß aber nichts davon.

Donald Trump und die Wahrheit, das ist eine immer wieder spannende Beziehung. Im Wall Street Journal hatte der US-Präsident kürzlich davon gesprochen, dass er einen Anruf vom Chef der Pfadfinder bekommen habe – der habe Trumps Rede, die er kurz zuvor vor 40.000 Mitgliedern der Organisation gehalten habe, als "großartigste Rede" bezeichnet.

Nur: Bei den Pfadfindern weiß man nichts von einem Anruf, wie das Magazin Time jetzt recherchierte. Und schon gar nichts von einem Lob – im Gegenteil: Michael Surbaugh, oberster Chef aller Pfadfinder, hatte sich intern sogar für die Rede des Präsidenten entschuldigt - bei all jenen, die sich von Trumps Rede beleidigt oder beunruhigt gefühlt hatten. Dies sei nie die Absicht der Organisatoren gewesen. Seine Organisation sei politisch unabhängig, sagte er weiter; es gebe eine lange Tradition, den jeweils amtierenden Präsidenten einzuladen.

Ärger über Auftritt

Hintergrund der Entschuldigung: Bei Trumps Auftritt selbst hatte es zwar tatsächlich großen Applaus gegeben, allerdings wurde die Facebook-Seite der Pfadfinder danach von verärgerten und wütenden Kommentaren überflutet. Viele Nutzer, darunter Eltern von Pfadfindern, bezeichneten es als unangemessen, dass Trump dabei Attacken auf die Medien, seinen Amtsvorgänger Barack Obama und seine Wahlkampfrivalin Hillary Clinton ritt.

Die National Scouts distanzierten sich deshalb nun vom angeblichen Lob-Anruf: "Die Mitteilung des Vorsitzenden an die Pfadfinder steht für sich selbst", teilte die Organisation mit.