Chronik | Welt
04.08.2017

Australien: Männer planten Anschlag auf Passagierflugzeug

Angeklagte wollten ahnungslosen Bombenkurier an Bord schicken und giftige Chemikalien unter den Menschen freisetzen.

Australien hat zwei Männer wegen des Verdachts angeklagt, einen Anschlag auf eine Passagiermaschine von Etihad Airways geplant zu haben. Die Männer seien von der Extremisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien unterstützt worden, sagte Vize-Polizeichef Michael Phelan am Freitag in Sydney. Die Männer wollten demnach einen Sprengsatz an Bord der Maschine platzieren - in einem Fleischwolf versteckt. Der Polizist sprach von besonders ausgeklügelten Anschlagsplänen. Vorige Woche hatte die Polizei vier Verdächtige festgenommen und danach erklärt, mit der groß angelegten Anti-Terror-Razzia einen mutmaßlichen Bombenanschlag auf ein Flugzeug vereitelt zu haben.

Auf IS-Geheiß

Nun wurden Details genannt. Demnach war der mutmaßliche Bombenkurier ahnungslos mit der tödlichen Fracht zum Flughafen aufgebrochen. Dessen Brüder haben den Anschlag laut Polizei eingefädelt und den Sprengsatz präpariert - auf Geheiß eines ranghohen IS-Kommandanten. Der Bombenkurier legte das Gepäckstück mit der Rohrbombe jedoch aus bisher unbekannten Gründen nicht an der Sicherheitskontrolle vor und flog ohne es ab. Sein Begleiter soll es übernommen und sich danach mit der Bombe vom Flughafen entfernt haben. Die Polizei kam den Anschlagsplanern erst durch einen Hinweis eines ausländischen Geheimdienstes auf die Schliche. Bei einer Großrazzia wurden die beiden Männer dann festgenommen, die für die Tat verantwortlich sein sollen.

Sprengstoff aus der Türkei

Für die Bombe wurde hoch explosiver Armee-Sprengstoff verwendet, der per Luftfracht aus der Türkei nach Australien gelangte. Laut dem Sicherheitsexperten Greg Barton von der Universität Melbourne hätte eine solche Bombe die Schlagkraft einer Granate und könnte ein Loch in den Rumpf der Maschine sprengen. Er vermutet, dass die Drahtzieher des vereitelten Anschlags den Küchen-Fleischwolf als Tarnung nutzen wollten, um die Sicherheitskontrollen auszutricksen: "Wahrscheinlich weil es kein elektrisches oder elektronisches Gerät ist und es damit bei einer oberflächlichen Kontrolle weniger Argwohn erregen dürfte."

Khaled K. und Mahmoud K.

Laut Polizei haben die beiden Verdächtigen Khaled K. und Mahmoud K. auch einen Giftgasanschlag an einem öffentlichen Platz geplant. Die Vorbereitungen seien jedoch noch nicht weit gediehen gewesen. Die Brüder sollen dabei mit einem Chemikalien-Cocktail hantiert haben, der letztlich der Freisetzung von Schwefelwasserstoff dienen sollte. Diese wie faule Eier riechende chemische Verbindung ist in hohen Konzentrationen für Menschen tödlich.

Australien ist ein enger Verbündeter der USA. Die Behörden sind schon länger in Alarmbereitschaft, weil sie fürchten, dass radikale Islamisten nach dem Kampf für den IS in ihre Heimat zurückkehren und dort Anschläge begehen könnten. Nach Erkenntnissen des Einwanderungsministeriums sind etwa 100 Personen von Australien nach Syrien gereist, um sich Organisationen wie dem IS anzuschließen.