Die 15-jährige Amanda Todd nahm sich 2012 das Leben.

© dpa

Niederlande
01/31/2017

Prozess gegen Cyber-Stalker in Amsterdam

Niederländer soll 34 junge Mädchen und fünf homosexuelle Männer in sechs Ländern online erpresst und sexuell genötigt haben. Amanda Todd als mögliches Opfer.

Vor fünf Jahren hat sich Amanda Todd das Leben genommen. Die 15 Jahre alte Kanadierin war jahrelang online gestalkt worden. Ihr Peiniger soll ein 38-jähriger Niederländer sein - jetzt steht er in Amsterdam vor Gericht. Er soll 34 junge Mädchen und fünf homosexuelle Männer in sechs Ländern online erpresst und sexuell genötigt haben.

Der niederländische Staatsanwalt schilderte am Montag in Amsterdam die Leidensgeschichte eines Mädchens. Immer wenn die 13-jährige D. von der Schule nach Hause ging, hatte sie Angst. Angst, dass dort wieder eine Nachricht von Tyler auf sie wartete. So nannte sich der Mann, der das niederländische Mädchen zwei Jahre lang mit Nacktfotos im Internet erpresste.

Die minderjährigen Opfer bleiben im Gericht anonym. Sie sollen soweit wie möglich geschützt werden. Eines der mutmaßlichen Opfer des Angeklagten erlangte traurige Berühmtheit: Amanda Todd. Das 15 Jahre alte Mädchen aus Kanada hatte sich 2012 aus Verzweiflung über einen Cyber-Stalker und wegen Mobbings umgebracht. Ihr Fall hatte Millionen in aller Welt erschüttert.

"Wenn er es war, muss er schuldig gesprochen worden", schrieb Amandas Mutter Carol in ihrem Blog. Sie wird in dieser Woche den 38-jährigen Mann zum ersten Mal sehen, der für den Tod ihrer Tochter verantwortlich sein soll. Die Kanadierin will endlich verstehen: "Wie kommt jemand dazu, so etwas zu tun?" Es ist zweifelhaft, ob sie Antworten bekommt. Bisher schweigt der Angeklagte.

Carol Todd, die sich für Opfer von Cyber-Stalking einsetzt, will sich in Amsterdam auch auf den Prozess zum Tod ihrer Tochter in ihrem Heimatland vorbereiten. Dafür soll der Niederländer an Kanada ausgeliefert werden.

Amanda wurde weltweit zur Symbolfigur des Cyber-Mobbings. Nur wenige Tage vor ihrer Verzweiflungstat hatte sie im Internet einen letzten Hilferuf veröffentlicht und ihre Leidensgeschichte in einem Video geschildert.

Ihr Martyrium begann, als sie zwölf Jahre alt war. Sie chattete im Internet und schickte einem Mann ein Foto ihrer nackten Brüste. Der erpresste sie und forderte mehr sexuelle Handlungen vor der Webcam. Er sprach von "Shows". Als Amanda sich weigerte, schickte er das Foto an ihre Schule und lud es bei Facebook hoch. Amanda wurde beschimpft, gemobbt und geschlagen. Obwohl sie mehrfach die Schule wechselte, entkam sie ihrem Peiniger nicht.

Jede Nacht habe sie geweint und alle ihre Freunde verloren, schrieb Amanda auf eine weiße Karte, die sie in dem Video zeigte. "Ich habe niemanden." Im Oktober 2012 nahm sie sich das Leben.

"Wenn du das tust, dann bring' ich mich um"

Den Mädchen, deren Leidensgeschichten nun in Amsterdam verlesen wurden, erging es ähnlich. Als der Mann drohte, ein Sexvideo an ihre Freunde zu schicken, sagte eine 13-Jährige: "Wenn du das tust, dann bring' ich mich um."

Manche Opfer waren erst elf Jahre alt. Der Täter hatte sich als Jugendlicher Tyler ausgegeben oder als 16-jährige Kelsey. "Er gab mir Selbstvertrauen", sagte ein Mädchen den Ermittlern. "Ich wurde gemobbt, und er sagte, dass mein Busen groß genug war." Warum sie sich dann dazu verleiten ließ, vor der Kamera den Pulli auszuziehen? "Ich hab mir nichts dabei gedacht. Das machen doch alle." Dann forderte er "mehr Shows", ansonsten würde er ihr Leben kaputt machen. Die Scham und Angst der Mädchen waren groß.

Verdächtiger unter fast 100 verschiedenen Namen aktiv

Der mutmaßliche Täter war im Jänner 2014 in einem Bungalowpark in Oisterwijk im Süden der Niederlande festgenommen worden. Der entscheidende Tipp kam über Facebook. Das soziale Netzwerk hatte Verdacht geschöpft, weil der Mann unter fast 100 verschiedenen Namen aktiv war.

Auf seinem Computer fanden die Ermittler mehr als 200.000 Fotos, 4.000 Videos und mehr als 250 Mappen mit den Namen der Opfer. Der Mann beteuert seine Unschuld. "Die Daten auf dem Computer und die beschlagnahmten Festplatten stammen nicht von ihm", sagte sein Verteidiger Robert Malewicz. Das Urteil wird für März erwartet.

Was tun bei Cyber-Mobbing?

Alle Experten sind sich einige: Vor allem muss man betroffenen Kindern und Jugendlichen glauben und zuhören. Das gilt für Lehrer, Eltern und Freunde gleichermaßen. Danach kann man folgende Punkte abhandeln.

Einordnung des Problems. Handelt es sich um echtes Mobbing oder um ein punktuelles Konfliktverhalten? Was sind die genauen Übergriffe, ist das Verhalten noch akzeptabel?

Klare Ablehnung. Schulen, aber auch Eltern müssen ganz deutlich sagen, dass Mobbing nicht normal ist. Es ist Gewalt, sogar ein Straftatbestand. Dazu zählen auch klare Konsequenzen gegen Mobber vonseiten der Schule.

Sensibilisierung durch Information. Werden Schüler auf Mobbing angesprochen und reflektieren sie, welche Grenzen dabei überschritten werden, schreiten sie eher dagegen ein.

Frühwarnsystem. Kummerkästen, Austausch mit Schülern, auch anonymen Beobachtungen nachgehen. Schüler selber nannten „gemeinsames Kochen oder Essen“ als Prävention. Zu überlegen ist auch die Etablierung eines Schulfaches, „Persönlichkeitsbildung“ ist in Dänemark, England, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Schweden Pflichtfach.

Wenn aus dem Chat ein Alptraum wird

Immer wenn die 13-jährige D. von der Schule nach Hause ging, hatte sie Angst. Angst, dass dort wieder eine Nachricht von Tyler auf sie wartete. So nannte sich der Mann, der das niederländische Mädchen zwei Jahre lang mit Nacktfotos im Internet erpresste. Ein zunächst harmloser Chat wurde zum Alptraum ohne Ende. So schilderte der niederländische Staatsanwalt am Montag in Amsterdam die Leidensgeschichte des Mädchens. Vor dem Hochsicherheitsgericht „Der Bunker“ steht ein Niederländer. Er soll 34 junge Mädchen und fünf homosexuelle Männer in sechs Ländern online erpresst und sexuell genötigt haben.

Die minderjährigen Opfer bleiben im Gericht anonym. Sie sollen soweit wie möglich geschützt werden. Eines der mutmaßlichen Opfer des Angeklagten erlangte traurige Berühmtheit: Amanda Todd. Das 15 Jahre alte Mädchen aus Kanada hatte sich 2012 aus Verzweiflung über einen Cyber-Stalker und wegen Mobbings umgebracht. Ihr Fall hatte Millionen in aller Welt erschüttert.

„Wenn er es war, muss er schuldig gesprochen worden“, schrieb Amandas Mutter Carol in ihrem Blog. Sie wird in dieser Woche den 38-jährigen Mann zum ersten Mal sehen, der für den Tod ihrer Tochter verantwortlich sein soll. Die Kanadierin will endlich verstehen: „Wie kommt jemand dazu, so etwas zu tun?“ Es ist zweifelhaft, ob sie Antworten bekommt. Bislang schweigt der Angeklagte.

Carol Todd, die sich für Opfer von Cyber-Stalking einsetzt, will sich in Amsterdam auch auf den Prozess zum Tod ihrer Tochter in ihrem Heimatland vorbereiten. Dafür soll der Niederländer an Kanada ausgeliefert werden.

Amanda wurde weltweit zur Symbolfigur des Cyber-Mobbings. Nur wenige Tage vor ihrer Verzweiflungstat hatte sie im Internet einen letzten Hilferuf veröffentlicht und ihre Leidensgeschichte in einem Video geschildert.

Ihr Martyrium begann, als sie 12 Jahre alt war. Sie chattete im Internet und schickte einem Mann ein Foto ihrer nackten Brüste. Der erpresste sie und forderte mehr sexuelle Handlungen vor der Webcam. Er sprach von „Shows“. Als Amanda sich weigerte, schickte er das Foto an ihre Schule und lud es bei Facebook hoch. Amanda wurde beschimpft, gemobbt und geschlagen. Obwohl sie mehrfach die Schule wechselte, entkam sie ihrem Peiniger nicht.

Jede Nacht habe sie geweint und alle ihre Freunde verloren, schrieb Amanda auf eine weiße Karte, die sie in dem Video zeigte. „Ich habe niemanden.“ Im Oktober 2012 nahm sie sich das Leben.

Den Mädchen, deren Leidensgeschichten nun in Amsterdam verlesen wurden, erging es ähnlich. Als der Mann drohte, ein Sexvideo an ihre Freunde zu schicken, sagte eine 13-Jährige: „Wenn du das tust, dann bring' ich mich um.“

Manche Opfer waren erst elf Jahre alt. Der Täter hatte sich als Jugendlicher Tyler ausgegeben oder als 16-jährige Kelsey. „Er gab mir Selbstvertrauen“, sagte ein Mädchen den Ermittlern. „Ich wurde gemobbt, und er sagte, dass mein Busen groß genug war.“ Warum sie sich dann dazu verleiten ließ, vor der Kamera den Pulli auszuziehen? „Ich hab mir nichts dabei gedacht. Das machen doch alle.“

Dann forderte er „mehr Shows“, ansonsten würde er ihr Leben kaputt machen. Die Scham und Angst der Mädchen waren groß. Sie waren in einem Teufelskreis gefangen.
Der mutmaßliche Täter war im Januar 2014 in einem Bungalowpark in Oisterwijk im Süden der Niederlande festgenommen worden. Der entscheidende Tipp kam über Facebook. Das soziale Netzwerk hatte Verdacht geschöpft, weil der Mann unter fast 100 verschiedenen Namen aktiv war.

Auf seinem Computer fanden die Ermittler mehr als 200 000 Fotos, 4000 Videos und mehr als 250 Mappen mit den Namen der Opfer. Der Mann beteuert seine Unschuld. „Die Daten auf dem Computer und die beschlagnahmten Festplatten stammen nicht von ihm“, sagte sein Verteidiger Robert Malewicz. Das Urteil wird für März erwartet.

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