Chronik | Welt
07.11.2015

Ägypten: Britisches Flugzeug entging Rakete

Laut Zeitungsbericht gab es im August beinahe schon einen Crash über dem Sinai.

Britischen Medien berichten von einer beinahe-Katastrophe eines britischen Urlaubsfliegers im August diesen Jahres. Laut Guardian soll eine Maschine der Thomson Airways auf dem Weg nach Sharm el-Sheikh beinahe mit einer Rakete zusammengestoßen sein. Die Katastrophe trat nicht ein, weil der Pilot kurz vor der Kollision ein Ausweichmanöver einleitete. Die britische Regierung soll den Vorfall, der sich auf derselben Route des russischen Airbus ereignete, zudem bestätigt haben. An Bord waren damals 189 Passagiere. Dabei soll es sich aber nicht um einen Terrorakt gehandelt haben, sondern um eine Übung des ägyptischen Militärs, wie später bekannt wurde.

Immer mehr deutet hingegen auf einen Terroranschlag auf den russischen Urlaubsflieger am vergangenen Samstag hin. Nach dem Crash der russischen Maschine hatte sich ein Ableger des IS zu einem Abschuss bekannt. Die ägyptischen Behörden beeilten sich aber, zu betonen, dass es sich nicht um einen Anschlag handelte. Nun ließ aber die Auswertung der Flugschreiber andere Schlüsse zu: Während des Flugs sei klar ein Explosionsgeräusch zu hören, berichtete der Fernsehsender France 2 unter Verweis auf einen Ermittler. Dieser habe erklärt, die Explosion sei nicht die Folge einer Triebwerkspanne. Die Nachrichtenagentur AFP meldete unter Berufung auf eine anonyme Quelle, der Flugdatenrekorder bestätige einen plötzlichen Absturz: "Alles ist normal, völlig normal während des Flugs, und dann plötzlich nichts mehr." Zudem wirke es auf Fotos der Trümmerteile so, als seien diese von innen getroffen worden, was eher für die These einer Bombe spreche.

Ägypten und Russland wollen nun bei der Flugsicherheit enger zusammenarbeiten. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi telefonierte am Freitag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Beide vereinbarten, die "bilaterale Kooperation" zu verstärken, um die Sicherheit für russische Touristen in Ägypten zu gewährleisten und die Sicherheitsmaßnahmen für russische Flugzeuge zu verstärken. Putin hatte zuvor die Aussetzung aller Flüge von Russland nach Ägypten angeordnet. Russen und Briten sind die größten Urlaubergruppen in Sharm el Sheik.

Die rund 80.000 in Ägypten gestrandeten Russen müssen beim Rückflug nun zunächst auf ihr Gepäck verzichten. "Die Touristen aus Russland werden ohne Koffer nach Hause gebracht", sagte der Chef der Tourismusbehörde, Oleg Safonow, am Samstag in Moskau. Lediglich Handgepäck sei erlaubt. Mehrere Airlines schickten für den Rücktransport der Menschen leere Maschinen in das Land am Nil.