Chronik | Welt
25.07.2018

Waldbrände in Nordeuropa: Das Hoch sitzt fest

Ist der Klimawandel schuld daran, dass Europa am falschen Ende brennt? Ein Klimaforscher gibt Antwort.

Beim letzten Mal schrieb sich der Schriftsteller Lars Gustafsson seinen Frust von der Seele. Sein Essay über die verheerenden Waldbrände wurden zu einem seiner meistgelesenen Werke in Schweden.

Das letzte Mal war 2014: Damals brannten 150 Quadratkilometer, und die Behörden waren, wie jetzt auch, überfordert. Heute brennt in Schwedens Wäldern eine fast doppelt so große Fläche, weiß Michael Staudinger. Der Klimaforscher und Chef der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wundert sich nicht: „Die Waldbrandgefahr besteht bereits seit Mai“ – ein Wunder, dass es erst jetzt passiert sei.  Die Lage ist dramatisch, zeigt ein Bild der Esa - die Feuer sind sogar aus dem All gut zu sehen.

 

Klimawandel?

Schlägt der Klimawandel gerade zu? Da müsse man vorsichtig sein, sagt der Klimaforscher: „Bestimmte Ereignisse, die bisher selten auftraten, kommen jetzt mit einer etwas größeren Häufigkeit vor. Es ist aber nicht so, dass das System von heute auf morgen umschaltet – und plötzlich ist das Klima anders. Es wird sicher auch in Skandinavien wieder sehr viele verregnete Sommer geben. Aber heuer ist das eben ganz anders.“

Staudinger ist ganz zurückhaltender Wissenschaftler: „Der Zusammenhang mit dem Klimawandel ist nicht 100-prozentig bewiesen, aber die Wahrscheinlichkeit steigt, dass  große blockierende Wetterlagen mit dem Klimawandel häufiger werden“, sagt er.  Blockierende Wetterlagen? Das seien   Hochdruckgebiete, die sich  nicht von der Stelle bewegen und lange in einer Region bleiben – wie jetzt eben in Skandinavien. Niemand wundere sich, wenn Hochdruckgebiete im Sommer wochenlang im Mittelmeer bleiben, das sei ganz typisch.  „Wie weit nach Norden sie reichen, ist aber von Jahr zu Jahr verschieden. 1976 etwa kamen sie bis  nach Großbritannien. „Und blieben dort für Monate.“

Mehr Laubbäume

In einem Punkt sind Forscher einig: Der  Temperaturanstieg führt zu vermehrt auftretenden Extremwetterlagen. Wir müssen häufiger mit Stürmen, Starkregen und Gewitter rechnen. Auch das Erscheinungsbild der Erde verändert sich mit dem Klimawandel.  So werden  die  dominierenden Nadelwälder in  Kanada, den USA, Skandinavien und Russland  zunehmend von Laubbäumen ersetzt werden, prognostizierten deutsche Forscher bereits 2016. Schuld daran: Waldbrände, mit denen Laubbäume besser zurecht kommen. Sie haben – anders als Nadelbäume – sehr kleine Samen, die mit dem Wind weite Strecken zurücklegen und  die baumfreien Flächen deutlich schneller zurückerobern können als Nadelgewächse.

Das wird sich auch  auf das Weltklima auswirken. Wie genau, diskutieren Forscher noch: Mehr Laubbäume  könnten die Erderwärmung mittelfristig abbremsen und die Häufigkeit von Feuern reduzieren; das wiederum könnte   zu einer Wiederbesiedlung durch Nadelbäume führen. Gleichzeitig könnte das Zurückdrängen der typisch sibirischen Nadelbäume, die viel Feuchtigkeit in Bodennähe speichern, die Wahrscheinlichkeit für Waldbrände wieder erhöhen. Fazit: Klimaforschung ist eine komplizierte Sache.

Nicht ganz so kompliziert ist dagegen die Waldbrand-Prognose für Österreich. "Natürlich sind auch wir in Österreich bei großer Trockenheit nicht vor Waldbränden gefeit“, sagt Klima-Experte Staudinger. „Die hat es auch immer wieder gegeben. Aber sie waren wesentlich kleiner als die jetzt in Skandinavien.“ Die Gründe: „Österreich ist dichter besiedelt, die heimischen Feuerwehren sind sehr gut organisiert und in der Lage den Brand im Keim zu ersticken". Nachsatz: „Statt ihn wochenlang brennen zu lassen".

Bilder vom Waldbrand in Griechenland

Waldbrände in Griechenland

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