© EPA/STEPHANIE LECOCQ

Chronik Welt
05/06/2020

Vatikan erkennt belgischen Kliniken katholische Identität ab

In den Spitälern des Ordens Brüder der Nächstenliebe kann Sterbehilfe nicht ausgeschlossen werden.

Weil sie die Anwendung aktiver Sterbehilfe nicht ausschließen, dürfen sich psychiatrische Kliniken des belgischen Zweigs der Gemeinschaft der „Broeders van Liefde“ (Brüder der Nächstenliebe) seit Ende März nicht mehr als „katholisch“ bezeichnen, wie Kathpress meldet.
Die vatikanische Glaubenskongregation habe dies entschieden, berichtet die belgische katholische Wochenzeitung „Tertio“. Der weltweite Generalobere des Ordens, Rene Stockman, habe dem Vorsitzenden der Organisation in Belgien die Verfügung bereits im April mitgeteilt.
Der Streit geht auf das Jahr 2017 zurück. Damals hatten die belgischen „Broeders van Liefde“ mitgeteilt, dass sie aktive Sterbehilfe in ihren Kliniken künftig nicht mehr ausschließen. In Belgien ist aktive Sterbehilfe seit 2002 unter bestimmten Bedingungen legal, auch für psychisch Kranke.


Die „Broeders van Liefde“ führen in Belgien zwölf psychiatrische Kliniken sowie Dutzende Schulen, Krippen und Orthopädiezentren. Insgesamt hat die Organisation eigenen Angaben zufolge landesweit 14.000 Beschäftigte. Rechtlich ist die Ordensgemeinschaft eng mit der Organisation verknüpft. Der Vorstandsvorsitzende des Vereins der Brüder der Nächstenliebe, Raf de Rycke, zeigte sich nach der Entscheidung gelassen. Sie habe keine „zivilrechtlichen Folgen“, sagte er der flämischen Zeitung „De Standaard“.
Das bestätigt auch der Leuvener Kirchenrechtler Rik Torfs. „Die Tatsache, dass Rom das Etikett 'katholisch' wegnimmt, muss an sich nichts ändern“, sagte Torfs dem „Standaard“. Allerdings befürchte er ein langes Gerichtsverfahren mit „Gesichtsverlust“ für beide Parteien.
Das Spezialgebiet des 1807 in Gent gegründeten Ordens Brüder der Nächstenliebe ist die Pflege von psychisch Kranken. Der Orden, der in Belgien unter dem Namen „Broeders van Liefde“ bekannt ist, hat weltweit etwa 600 Mitglieder und ist in rund 30 Ländern aktiv.

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