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Chronik Welt
07/04/2022

USA: Sechs Tote nach Amoklauf bei Parade zum Nationalfeiertag

Amoklauf bei Umzug zum 4.Juli in Nobel-Vorort von Chicago. Sechs Tote. Täter feuerte von Hausdach und ist auf der Flucht

von Konrad Kramar

Es ist der wichtigste Feiertag der USA und die Paraden an diesem 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag, sind dementsprechend bedeutend und gut besucht. Umso tragischer, dass bei einer dieser Paraden, in Highland Park, einem vornehmen Vorort von Chicago, am Montag plötzlich von einem Amokläufer das Feuer eröffnet wurde. Erste Augenzeugen berichten von einem Schützen, der von einem Hausdach wild und völlig unkontrolliert um sich gefeuert haben soll, unmittelbar nachdem die Parade in dem Städtchen am Michigansee um 10 Uhr Ortszeit losgerollt war. Der Mann soll rund 20 Jahre alt sein, eher schmächtiger Statur und lange Haare haben. Es gibt mindestens sechs Tote und Dutzende Verletzte. Panik brach aus, es herrschte "absolutes Chaos".

Der Täter ist vorerst nicht gefasst. Der neuerliche Massenmord durch einen Amokschützen droht die eskalierende Debatte über Verschärfung der Waffengesetze weiter anzuheizen. Eben hat das von Rechtskonservativen dominierte US-Höchstgericht das Tragen von Schusswaffen in den USA neuerlich erleichtert. US-Präsident Joe Biden zeigte sich „schockiert über die sinnlose Waffengewalt, die an diesem Unabhängigkeitstag wieder einmal Trauer über eine amerikanische Gemeinde gebracht hat“. In seiner Mitteilung hieß es: „Ich werde den Kampf gegen die Epidemie der Waffengewalt nicht aufgeben.“

Über Stunden blieb aktuelle Lage völlig unklar, doch örtliche Quellen bestätigen, dass es bereits sechs Tote und 19 Verletzte gibt. Die Parade wurde sofort beendet, das Gelände weiträumig abgeriegelt. Das Büro des Sheriffs von Lake County teilte auf Twitter mit. „Bleiben Sie dem Gebiet fern - lassen Sie die Polizei und die Ersthelfer ihre Arbeit machen“ Die Bürgermeisterin von Highland Park forderte die Menschen auf, sich von der Innenstadt fernzuhalten. 

Berichte von Augenzeugen

Videos vom Schauplatz zeigen das Chaos, das sich in dem friedlichen Vorort an der Nordküste abspielte. Eltern saßen am Randstein der Paradestrecke und genossen die Blaskapelle, als die Musiker plötzlich anfingen zu laufen. Ihre Instrumente hielten sie fest, während sie um ihr Leben rannten. Familien flüchteten in Panik und ließen Hunderte von leeren Liegestühlen, Kinderwagen, Getränken und Luftballons zurück. Ein Bewohner des Ortes, Eric Trotter, beschreibt gegenüber der Lokalzeitung "Chicago Tribune" die blutige Szenerie: Eine Reihe von Schüssen, die zuerst wie ein Feuerwerk klangen, dann die ersten Flüchtenden. Trotter kehrte später zum Tatort zurück, wo er sah, wie Menschen den Verwundeten halfen und nach Angehörigen suchten.

 

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