156 Bewohner werden noch vermisst

© APA/AFP/CHANDAN KHANNA

Chronik Welt
06/28/2021

Unglückshaus in Miami: Bauschäden waren seit drei Jahren bekannt

151 Menschen werden nach Einsturz noch vermisst - zehn Tote sind geborgen. Die Chancen sinken, noch Überlebende zu finden.

von Dirk Hautkapp

Noch sind nach dem Einsturz eines zwölfstöckigen Wohnturms in Strandnähe bei Miami im US-Bundesstaat Florida vor fünf Tagen weiter 151 Bewohner vermisst, da liegen gegen die Hausverwaltung bereits erste Sammel-Klagen vor. Tenor: fahrlässige Unterlassung bei der Behebung von Bauschäden.

Abbröckelungen im Keller und im Parkhaus

Die juristischen Vorstöße korrespondieren mit der Tatsache, dass der Ingenieur Frank Morabito bereits im Herbst 2018 bei der Inspektion des 40 Jahre alten "Champlain Towers" in der Gemeinde Surfside massenhaft Beanstandungen geltend gemacht hatte. So wurden „große strukturelle Schäden“, Risse und Abbröckelungen im Keller und Parkhaus des Gebäudes festgestellt, das durch den Kollaps zwischen 55 und 70 Wohnungen verloren hat.

Morabito empfahl damals, „grundlegende Fehler“ bei der Konstruktion des Hauses zu beseitigen. Zwar sprach der Techniker nicht konkret von Einsturzgefahr, riet aber dazu, die Mängel „zeitnah“ abzustellen, da es sonst „extrem teuer und riskant würde“. Warum die Hauseigentümer bis April dieses Jahres mit der Einleitung von millionenschweren Reparaturen gewartet haben, ist bisher unklar.

Boden senkte sich

Tatsache ist, dass Umweltexperten der Universität von Florida bereits in den 90er Jahren festgestellt hatten, dass das Gebäude auf sich schleichend absenkendem Boden steht und der salzhaltigen Meeresluft ausgesetzt ist, die Fassade und Stahlkorsett bis in die Fundamenten zusetzt. Angehörige von Vermissten schilderten der Zeitung „Miami Herald“, dass wenige Tage vor der Katastrophe von „merkwürdigen Geräuschen“ berichtet wurde, die so laut waren, dass Bewohner nachts aufgewacht seien. Offiziell ist die Unglücksursache noch nicht festgestellt.

Nach Angaben der Verantwortlichen von Polizei, Feuerwehr und Stadtverwaltung konzentrieren sich alle Bemühungen darauf, in den teilweise zehn Meter hohen Trümmerbergen noch Überlebende zu finden. Bisher wurden zehn Tote geborgen. Zudem sprach Bezirksbürgermeisterin Daniella Levine Cava von gefundenen „menschlichen Überresten“, die aber noch nicht identifiziert seien. Das soll mittels DNA-Proben geschehen.

Die Chancen auf ein Wunder sinken jedoch mit jeder Stunde, sagte der Feuerwehr-Arzt Howard Liebermann. Bis Freitagabend hätten die Suchtrupps, die durch Exin perten aus Israel verstärkt worden sind, vereinzelt Klopfgeräusche unter den Trümmern gehört. Am Wochenende sei es still geworden.
Hunderte solcher BautenDie Rettungsarbeiten wurden seit Donnerstag massiv durch extremes Wetter (Stürme, Regen) und im Untergrund der Trümmer entstandene Feuer erschwert.

Die Angst in vergleichbaren Gebäuden

Weil an der Küste nördlich wie südlich von Miami Hunderte vergleichbare Gebäude stehen, geht die Angst vor einem Wiederholungsfall um. Das Bauamt der Millionen-Metropole Miami hat darum angeordnet, dass alle Häuser mit mehr als sechs Stockwerken, die älter als 40 Jahre sind, demnächst einer Prüfung unterzogen werden sollen.

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