© APA/AFP/REGINALD LOUISSAINT JR

Chronik Welt
08/19/2021

Über 2.000 Tote nach Erdbeben in Haiti

Die Zahl der Todesopfer steigt nach dem schweren Erdbeben immer weiter. Hilfe kommt nur sehr schleppend in den betroffenen Regionen an.

Nach dem schweren Erdbeben in Haiti ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 2.189 gestiegen. Weitere 332 Menschen würden noch vermisst, teilte die haitianische Zivilschutzbehörde am Mittwochabend mit. Mindestens 12.268 Menschen wurden bei dem Beben der Stärke 7,2 am Samstag verletzt. Darüber hinaus wurden nach neuen Erkenntnissen knapp 53.000 Häuser zerstört und gut 77.000 beschädigt.

Dringend benötigte Hilfe erreichte die betroffene Region nur schleppend. Nach örtlichen Medienberichten gab es Gegenden, in denen die Überlebenden des Bebens verzweifelt auf Unterstützung warteten. In der betroffenen Region im Südwesten des Karibikstaates fehlte es am Nötigsten.

Wie die Regierung mitteilte, fuhren am Mittwoch mehr als zehn Lastwagen mit Hilfsgütern dorthin. Zuvor war nach UN-Angaben ausgehandelt worden, dass Hilfskonvois die Hauptstraße zwischen der Hauptstadt Port-au-Prince und dem Süden des Karibikstaates befahren dürfen, die von Banden kontrolliert wird. Deren Kämpfe um Territorium legen Teile von Port-au-Prince immer wieder lahm und trieben laut UN allein im Juni rund 15.000 Menschen in die Flucht.

Die Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (Paho), Carissa Etienne, teilte mit, die Gesundheitseinrichtungen im Erdbebengebiet seien überlastet, 20 von ihnen seien durch das Beben beschädigt und vier zerstört worden. Der Bedarf an medizinischem Personal, Medizin, Ausrüstung und Patiententransport sei immens. Etienne rief die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf. Haitis ohnehin stark unterfinanziertes Gesundheitssystem war schon vor dem Beben aufgrund der sich zuletzt verschlimmernden Corona-Pandemie überstrapaziert gewesen.

Der Chef des Zivilschutzes, Jerry Chandler, räumte Verzögerungen bei der Verteilung von Hilfsgütern ein, wie die Zeitung Le Nouvelliste berichtete. Er begründete dies demnach mit der schwierigen Organisation, die durch den Durchzug des Tropensturms "Grace" in der Nacht zum Dienstag zusätzlich erschwert worden sei. Dieser hatte mancherorts Überschwemmungen verursacht und zahlreichen Überlebenden zugesetzt, die im Freien schliefen.

Das Beben hatte sich am Samstagmorgen nahe der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud in einer Tiefe von rund zehn Kilometern ereignet. Laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef waren 1,2 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen.

Es traf ein Land, in dem viele Menschen in bitterer Armut leben und das für Naturkatastrophen besonders anfällig ist. Die Erdbebenregion wurde im Jahr 2016 von Hurrikan "Matthew" verwüstet - mehr als 500 Menschen starben. Bei einem Erdstoß der Stärke 7,0 im Jänner 2010, dessen Zentrum nahe der dicht besiedelten Hauptstadt lag, waren mehr als 220.000 Menschen ums Leben gekommen. Ein großer Teil der für den Wiederaufbau bestimmten Mittel kam bei der Bevölkerung nicht an, unter anderem wegen Korruption und Verschwendung. Das Land erlebt außerdem eine tiefe politische Krise, die sich durch die Ermordung des Präsidenten Jovenel Moïse am 7. Juli noch verschärft hat.

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