Gefährliche Flutwellen bedrohen Nizza

Das Sturmtief "Alex" traf auf die Promenade von Nizza an der französischen Riviera.

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Welt
10/03/2020

Tote und Chaos nach Unwettern in Südfrankreich und Norditalien

Überflutete Dörfer, weggerissene Häuser, gesperrte Straßen und vermisste Menschen in Norditalien und Südfrankreich.

Unwetter und Überschwemmungen haben im Hinterland der südfranzösischen Ferienmetropole Nizza chaotische Zustände ausgelöst. Laut Medien wurden am Samstag mindestens acht Menschen vermisst, zuvor war von neun Menschen die Rede gewesen. Unter ihnen seien zwei Angehörige der Feuerwehr, die im Einsatz waren, wie der Nachrichtensender Franceinfo unter Berufung auf die Behörden berichtete.

Dramatisch war auch die Lage im benachbarten Norditalien. Ein freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal starb bei einer Rettungsaktion durch einen umgestürzten Baum, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Auch in anderen Regionen wie in Ligurien und im Piemont richteten überschwemmte Flüsse und umgekippte Bäume starke Schäden an. Zahlreiche Menschen wurden nach Feuerwehrangaben vermisst. Zahlreiche Haushalte waren ohne Strom.

Der französische Regierungschef Jean Castex und Innenminister Gerald Darmanin eilten nach Nizza, um sich ein Bild in dem betroffenen Departement Alpes-Maritimes zu machen. Der im ganzen Land bekannte Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, war sichtlich betroffen: "Wir sind mit einem Unglück konfrontiert, wie ich es im (Departement) Alpes-Maritimes noch nicht erlebt habe." Der konservative Politiker kündigte laut Medien an, dass die Armee in der Region eingesetzt werden solle. Etwa 100 Häuser seien in der Region zerstört oder beschädigt worden, so Estrosi.

"Horrorszenen"

Der Abgeordnete Eric Ciotti sprach von "Horrorszenen". Sein Heimatdorf Saint-Martin-Vesubie in den Bergen nördlich von Nizza sei teilweise zerstört worden. Laut Medien wurde der Friedhof des Ortes fortgerissen.

Viele Straßen der Region mit tief eingeschnittenen Gebirgstälern waren nicht mehr passierbar. Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. Tausende Haushalte waren ohne Strom. Am dem Flughafen Nizza laufe der Flugbetrieb wieder normal, teilte der Airport via Twitter mit.

In der norditalienischen Region Piemont meldeten die Behörden elf Vermisste. Auch eine deutsche Trekkinggruppe habe sich zunächst nicht bei einem Hotelier gemeldet, der sie nach einer mehrtägigen Tour bei Terme di Valdieri abholen sollte, hieß es in Berichten. Im Aostatal waren einige Orte nach Erdrutschen und Brückenschäden zeitweise vom Verkehr abgeschnitten.

Es gab Hunderte von Noteinsätzen in den italienischen Unwettergebieten seit Freitagabend. Tunnel wurden durch Wassermassen überflutet und Straßen mussten gesperrt werden. Besonders heftig traf es dabei die piemontesische Provinz Cuneo. Am Samstagmorgen hatte sich die Wetterlage in vielen Teilen im Nordwesten an der französischen Grenze wieder etwas beruhigt, hieß es im Fernsehen.

Die Schlechtwetterfront zog auch in Richtung Venetien. In Venedig wurde die neue Hochwasserschutzanlage MOSE hochgefahren. Die Tore der Flutschleusen an den Öffnungen der Lagune seien in Betrieb genommen worden. Die neu gebaute Anlage war in den vergangenen Monaten ausgiebig getestet worden. Sie soll schlimme Hochwasser in der Lagunenstadt verhindern.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sprach Menschen, die vom Herbststurms "Alex" getroffen wurden, via Twitter sein Mitgefühl aus. Der Sturm hatte in der Bretagne im Nordwesten des Landes erhebliche Schäden verursacht. "Gemeinsam werden wir diese Bewährungsprobe bestehen", schrieb der 42-Jährige.

Unwetter mit schweren Folgen sind in Südfrankreich keine Seltenheit. Im Herbst vergangenen Jahres kamen 14 Menschen ums Leben. Die dicht bebaute Cote d'Azur wurde genau vor fünf Jahren von schweren Unwettern getroffen, 20 Menschen starben damals.

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