Chronik | Welt
09.08.2018

Terrorausbildung für verwahrloste Kinder?

Verdacht auf Training für Schulmassaker, Imam-Sohn verhaftet, Kinderleiche gefunden

Kindesentführung und Verwahrlosung? Exorzismus mit Todesfolge? Gar Terror-Ausbildung für künftige Schul-Massaker? Hinter den bisher bekannten Versatzstücken der bizarren Geschichte, die sich in einem abgelegenen Wüstengebiet des US-Bundesstaates New Mexiko abgespielt hat, stehen noch große Fragezeichen. Aber mit jedem Tag, den die Sicherheits-Organe in Amalia tiefer in die Gedankenwelt von Siraj Ibn Wahhaj und seiner Groß-Familie eintauchen, desto schwerer wiegt der Verdacht, dass hier rechtzeitig eine Tragödie verhindert wurde. Nach achtwöchiger Beschattung durch die Bundespolizei FBI mit Drohnen kam es Ende vergangener Woche auf einem abgelegenen Grundstück an der Bundesstaatsgrenze zu Colorado zu einer Razzia.

Dabei wurden fünf Erwachsene, darunter drei Frauen, und elf teilweise schwer vernachlässigte und unterernährte Kinder, festgenommen. Sie sollen alle miteinander verwandt sein. Jerry Hogrefe, der zuständige Sheriff, verglich die Szene in dem aus Bretterverschlägen und einem halb im Sand verbudelten Wohnwagen bestehenden Camp, mit Slums in einem Dritte-Welt-Land. „Keine Toiletten, kein Strom, kein sauberes Wasser und die Kinder im Alter von 1 bis 15 Jahren hatten dreckige Lumpen am Leib und waren abgemagert.“

Nach Behörden-Angaben hatte der Anführer der Gruppe im vergangenen Herbst 1500 Kilometer entfernt im Bundesstaat Georgia seinen damals dreijährigen Sohn Abdul-Ghani entführt. Siraj Ibn Wahhaj soll geplant haben, Exorzismus an seinem Kind auszuüben, weil er den behinderten Jungen als vom Teufel besessen wähnte, sagte die Mutter Hakima Ramzi. Wie die Lokalzeitung „Taos News“ berichtet, haben andere Kinder in ersten Vernehmungen ausgesagt, dass Abdul-Ghani tot ist und nach islamischen Regeln bestattet wurde. Gerichtsmediziner untersuchen zurzeit die Überreste einer Kinderleiche, die auf dem Grundstück gefunden wurde.

 

Bewaffnet, feindselig

Siraj Ibn Wahhaj war bei der Festnahme bis an die Zähne bewaffnet und feindselig, sagte die Polizei. Sie geht bei dem Sohn eines bekannten New Yorker Imams vorläufig von einem muslimischen Extremisten aus, der in der Abgeschiedenheit New Mexiko möglicherweise Terror-Anschläge vorbereitete. Auf dem angemieteten  Grundstück gab es Stolperfallen, einen 30 Meter langen Tunnel und andere Anzeichen (Glassplitter, Nägel, Barrikaden aus Autoreifen, Überwachungskameras, Waffen und jede Menge Munition) dafür, dass die Erwachsenen mit einer gewaltsamen Stürmung rechneten.

 

Für Aufsehen sorgte bei der um massiven Kindesmissbrauch kreisenden Anklageverlesung Staatsanwalt Tim Hasson. Unter Berufung auf die Pflegemutter eines der in Verwahrung genommenen Kinder sagte der Ankläger, dass Siraj Ibn Wahhaj mindestens einen Jungen „im Gebrauch eines Sturmgewehrs“ unterwiesen habe - „zur Vorbereitung von zukünftigen Schulschießereien“. Wie belastbar diese Information ist, blieb offen. Die Staatsanwaltschaft ging darauf in der mündlichen Verhandlung nicht näher ein. Die Verteidigung bestreitet die Vorwürfe. Die Beschuldigten bleiben bis auf weiteres in Untersuchungshaft. Die betroffenen Kinder werden vom örtlichen Jugendamt betreut. "Sie werden Wochen benötigen, um wieder zu Kräften zu kommen", sagte ein Arzt.