© APA/AFP/VOLODYMYR SHUVAYEV

Chronik Welt
04/14/2020

Schwere Waldbrände bedrohen die Atomruine von Tschernobyl

Umweltschützer befürchten, dass Radioaktivität freigesetzt wird. Die Behörden wiegeln ab, setzten aber Löschflugzeuge ein.

Seit mehr als einer Woche toben rund um die Atomruine von Tschernobyl schwere Waldbrände. Am Ostermontag setzten die ukrainischen Behörden erstmals Hubschrauber und Flugzeuge zum Löschen ein. Die Grenzwerte seien aber nie überschritten worden, versicherte die Zonenverwaltung.

 

Der Katastrophenschutzdienst wies am Montagnachmittag Schilderungen aus sozialen Netzwerken zurück, wonach die Brände außer Kontrolle geraten seien und sich dem stillgelegten Kraftwerk und der verlassenen Stadt Prypjat näherten.


„Ja, die Situation ist schwierig. Wirklich schwierig. Doch sie ist kontrollierbar. Das Feuer ist nicht einfach“, sagte Behördensprecherin Olga Kosak der Deutschen Presse-Agentur in Kiew.

Rauch zog bis Kiew

Umweltschützer befürchten, dass Radioaktivität freigesetzt wird. Der Rauch zog bis in die etwa 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Kiew. Außerdem gab es Befürchtungen, die Feuer könnten auf Lagerstätten mit radioaktiven Abfällen übergreifen.

In den vergangenen Jahren war es mehrfach zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten rund um die Atomruine gekommen. Als Ursache wurde immer wieder Brandstiftung vermutet. Zuletzt hatten die Polizei einen 27-Jährigen festgenommen, der einen Brand gelegt haben soll.

Sondersitzung im Parlament

Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte einen leichtfertigen Umgang mit Feuer: „Ich möchte mich an die Bürger wenden, denen es egal ist. Die Rede ist von jenen, die im 21. Jahrhundert Gras anbrennen und damit schreckliche Feuer verursachen“, sagte er in einer Fernsehansprache. Das ukrainische Parlament beschloss in einer Sondersitzung am Montag höhere Geldstrafen wegen Brandstiftung.

Nach der Explosion des Blocks vier  im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 wurden radioaktiv belastete Landstriche gesperrt.

Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Das Gebiet ist mittlerweile für geführte Touristentouren zugänglich.

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