Stromausfälle und Flüge gestrichen: Sturmtief "Elli" wütet in Europa

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Weite Teile Deutschlands liegen unter einer dichten Schneedecke - und der Winter zeigt auch in den nächsten Tagen, was er kann. Auch andere europäische Länder hat der Winter fest im Griff. Ein Überblick und Ausblick.

Zusammenfassung

  • Sturmtief Elli bringt ab Freitag Schnee, Glatteis und stürmisches Wetter nach Deutschland, besonders im Norden und Osten.
  • Auch andere europäische Länder wie Frankreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Kroatien kämpfen mit Schnee, Verkehrschaos und Kälte.
  • Im Süden und Westen Deutschlands sorgt milde Atlantikluft vorübergehend für Regen und Tauwetter, bevor das Sturmtief am Wochenende wieder Schnee bringt.

Die Wintersturmfront "Elli", die in Frankreich "Goretti" genannt wird, ist in der Nacht auf Freitag auf Deutschland getroffen und sorgt für schwierige Bedingungen. 

Es galten laut Deutschem Wetterdienst (DWD) Unwetterwarnungen wegen Schneeverwehungen in Norddeutschland, wegen Schneefällen in der Mitte und im Südosten des Landes sowie wegen Glatteises in Bayern. In Frankreich kam es zu großflächigen Stromausfällen, und Großbritannien wappnet sich für viel Schnee.

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"Sturmtief Elli übernimmt die Regie in einem echten Wetterkrimi", kündigte Adrian Leyser Sturm vom DWD in Offenbach an. Aufgrund der Warnungen vor massiven Schneefällen und -verwehungen fiel der Präsenzunterricht an Schulen in Hamburg, Niedersachsen, Bremen und weiten Teilen Schleswig-Holsteins aus. In anderen Ländern wie Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg war die Präsenzpflicht aufgehoben. Schüler dürfen dort witterungsbedingt entschuldigt fehlen.

Zugverkehr eingestellt

Die Deutsche Bahn (DB) stellte den Fernverkehr in Norddeutschland vorübergehend ein. Aufgrund der Witterungsbedingungen sei der Schienenverkehr im Großraum Hannover "bis mindestens heute Mittag" unterbrochen. Damit sei eines der bundesweit wichtigsten Drehkreuze betroffen "und der Fernverkehr im Norden Deutschlands nicht mehr möglich".

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Sturm "Goretti" trifft Frankreichs Nordküste.

Auch andere europäische Länder betroffen

Auch andere europäische Länder hält der Winter im Griff. Wegen des schweren Wintersturms "Goretti" waren in Frankreich Freitagfrüh hunderttausende Haushalte ohne Strom. Wie der französische Versorger Enedis mitteilte, fiel in rund 380.000 Haushalten der Strom aus, vor allem in der Normandie. Auch Bewohner der Bretagne, der Picardie nördlich von Paris und der Region Île-de-France waren betroffen.

Trotz vieler umgestürzter Bäume und Behinderungen wurden nach vorläufiger Bilanz des Innenministeriums lediglich sechs Menschen leicht verletzt. In der Bretagne brachen in der Nacht zehn bis 13 Meter hohe Wellen über einige Küstenabschnitte herein. In Nordfrankreich sollten am Freitag bis auf wenige Ausnahmen keine Züge fahren.

In Paris sorgte Schneefall für ein Verkehrschaos. Der Busverkehr in der gesamten Stadt wurde am Mittwoch vorübergehend eingestellt. Auch bei Straßenbahnen, der Metro und den Regionalzügen gab es wegen des Wetters Störungen. An den Flughäfen der Stadt wurden die Flüge am Morgen reduziert. Im nordfranzösischen Lille wurde der Busverkehr ebenfalls eingestellt.

Auch in Großbritannien beherrschte "Goretti" den Alltag vieler Menschen. Mehr als 55.000 Haushalte mussten nach Angaben des Stromnetzbetreibers National Grid am Vormittag ohne Strom auskommen, die meisten davon im Südwesten und in den westlichen Midlands. Vielerorts bleiben die Schulen zu, Straßen waren durch umgestürzte Bäume und beschädigte Stromleitungen gesperrt, Züge standen still. Im stark betroffenen Cornwall in England wurden die Bewohner gebeten, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten.

Der Nachrichtenagentur PA zufolge wurden am Londoner Flughafen Heathrow mindestens 69 Starts und Landungen gestrichen, die meisten davon Kurzstreckenflüge der Fluggesellschaft British Airways. Etwa 9.000 Fluggäste dürften demnach betroffen sein.

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Schnee stoppt Müllabfuhr

Im Osten der Slowakei waren zahlreiche Straßen blockiert. In Kosice, der zweitgrößten Stadt des Landes, konnten die öffentlichen Verkehrsmittel mehrere Haltestellen in hügeligen Stadtteilen nicht anfahren. Auch die Müllabfuhr konnte Teile der Großstadt nicht erreichen. In Ungarn fielen zahlreiche lokale Züge im Großraum Budapest und in einigen anderen Regionen aus. Ungeräumte Straßen führten fast im ganzen Land zu Verkehrsbehinderungen. Am Flughafen Budapest kam es vor allem wegen Verzögerungen bei der Enteisung der Flugzeuge zu zahlreichen Verspätungen.

Snow and freezing temperatures in Paris

Reisende saßen nachts in Schnellzug fest 

Starke Schneefälle und orkanartige Stürme unterbrachen in Kroatien die Verkehrsverbindungen zwischen dem Binnenland und der dalmatinischen Küste. Dutzende Reisende saßen in der Nacht zum Mittwoch im Schnellzug von Zagreb nach Split fest, weil die Lokomotive im Bahnhof Knin im gebirgigen dalmatinischen Hinterland nicht mehr weiterfahren konnte. Zugleich sperrten die Behörden die Autobahn, die die Hauptstadt Zagreb und die Adriametropole Split verbindet.

Deep snow blankets Zagreb amid cold snap and travel disruptions

Neuschnee, Schneeverwehungen und Glatteis 

Laut den Prognosen des Deutschen Wetterdienstes wird im Norden und Osten am Freitag mit teils stürmischem Ostwind weiter Kaltluft nach Deutschland herangeführt. Einsetzende, kräftige Niederschläge werden demnach durchweg als Schnee fallen. „Im Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können verbreitet um die zehn oder regional bis zu zwanzig Zentimeter Neuschnee zusammenkommen“, sagte Adrian Leyser Sturm vom DWD. Dabei kann der kräftige Wind die lockere Schneedecke verwehen und zu größeren Behinderungen auf Straßen und Wegen führen. Ähnliche Schneemengen seien in den Mittelgebirgen möglich. 

Milder ist es dagegen im Süden und Westen. Dort bringt ein stürmischer Wind vorübergehend milde Atlantikluft, sodass die Niederschläge mitunter bis in höhere Lagen in Regen übergehen und zu Tauwetter führen. Der DWD warnt dort vor gefrierendem Regen und Glatteis. Die Höchsttemperaturen liegen am Freitag zwischen minus 6 Grad an der Oder und bis plus 8 Grad am Oberrhein. Am Samstag verlagert sich das Sturmtief dann über Deutschland südostwärts. „Rückseitig wird die Kaltluft wieder nach Süden geführt, sodass auch im Süden und Westen der Regen wieder in Schnee übergeht“, sagt Leyser Sturm. Auch in Österreich ist "Elli" zu spüren - hierzulande kommt es vermehrt zu Schneefällen und Glatteisbildung. Zum Sonntag beruhigt sich das Wetter langsam wieder.

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