Greta Thunberg vor ihrer Überquerung des Atlantiks.

© REUTERS/Henry Nicholls

Chronik Welt

Nicht nur Greta: Klimaaktivisten stechen in See

36 deutsche Aktivisten lassen sich die Segelreise nach Santiago de Chile sponsern.

von Susanne Bobek

08/18/2019, 06:00 PM

„Vor allem geht es darum, Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagt Clara von Glasow, eine deutsche Jusstudentin aus Wiesbaden. Anfang Oktober segelt die 25-JĂ€hrige mit 35 Gleichgesinnten auf dem Dreimastschoner „Regina Maris“ vom niederlĂ€ndischen Scheveningen nach Rio de Janeiro.

Von dort wollen sie mit dem Bus eine Woche nach Santiago de Chile weiterfahren. Dort findet vom 2. bis 13. Dezember die 25. UN-Klimakonferenz statt, zu der auch Greta Thunberg erwartet wird, die gerade in einer Rennjacht nach New York ĂŒbersetzt.

Die Fridays-for-Future-Aktivisten nehmen sich viel Zeit. So weiß etwa Greta noch gar nicht, wann und wie sie möglichst emissionsarm die RĂŒckreise antreten wird. Clara von Glasow und ihre Mitstreiter sind da schon etwas konkreter. Sie wollen zurĂŒcksegeln. Das sei aber wegen der Strömung erst im April möglich, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Crowdfunding

Die Jusstudentin an einer PrivatuniversitĂ€t sagt, dass sie weiß, dass sie sich sehr viel Zeit fĂŒr die Reise nimmt. Der KapitĂ€n der „Regina Maris“ verlangt fĂŒr die sechswöchige Reise mit Zwischenstopps in Casablanca, Teneriffa, Kap Verde und im brasilianischen Recife nur 2500 Euro.

Die Klimaaktivisten finanzieren nur einen Teil davon selbst, sagt Glasow, das Gros komme ĂŒber eine Crowdfunding-Kampagne und Sponsoren zusammen, zu denen das niederlĂ€ndische Ministerium fĂŒr Infrastruktur und Wasserwirtschaft gehöre.

„Das, was ich mache, ist ein großes Privileg, aber das muss ich nutzen“, gibt die Studentin offenherzig zu. „Wir wollen die Zeit nutzen, das Schiff in einen schwimmenden Thinktank umzuwandeln“, sagt Glasow. Und immer, wenn sie in KĂŒstennĂ€he seien, wollen sie ihre Social-Media-KanĂ€le bespielen. Auf Instagram haben sie etwa den Account „Sail to the Cop“ eingerichtet.

Kleine WidersprĂŒche

Den kleinen Widerspruch, dass sie selbst zu einer Konferenz reist, GeschĂ€ftsleuten aber empfiehlt, doch via Skype zu konferieren, um FlĂŒge zu vermeiden, sieht sie selbst und gibt zu: „Es ist schon etwas anderes, persönlich zu verhandeln.“

Und auch sonst weiß sie um die vielen Vorteile des Fliegens: „Ich habe selbst schon Reisen in ferne LĂ€nder gemacht, die mir persönlich viel gebracht haben.“ So war sie nach ihrem Abitur in Indien, wo sie fĂŒr eine Organisation gearbeitet hat, die sich fĂŒr nachhaltige Landwirtschaft einsetzt. Und in Namibia engagierte sie sich fĂŒr ein Projekt mit Kindern in einem Armenviertel.

Als sie Tim Niendorf, ein VolontĂ€r der FAZ fragte, ob sie das aus heutiger Sicht wieder machen wĂŒrde, meinte sie: „Das ist eine knifflige Frage“. Aber wahrscheinlich schon. Denn die Studentin ist sich auch im Klaren, dass sie als Juristin sicher nicht mehr die Zeit hĂ€tte, sechs Wochen lang zu einer Konferenz zu fahren.

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