Angehörige vor dem ausgebrannten Auto

Angehörige vor dem ausgebrannten Auto

© APA/AFP/STR

Chronik Welt
11/06/2019

Massaker an Mormonen: Bub ging 23 Kilometer, um Hilfe zu holen

Im Norden Mexikos, nahe der Grenze zu den USA wurden drei Frauen und sechs Kinder erschossen. Acht Kinder konnten flüchten.

von Susanne Bobek

Nachdem seine Mutter und zwei seiner Brüder erschossen worden waren versteckte der 13-jährige Devin Langford sechs weitere Geschwister in Büschen und unter Ästen. Dann ging er sechs Stunden lang zurück nach La Mora, wo die Mormonenfamilie lebt, schrieb eine Verwandte laut BBC auf Facebook. Er ging also 23 Kilometer, um Hilfe für die Geschwister zu holen. Nach mehreren Stunden des Wartens machte sich auch seine neunjährige Schwester auf den Weg. Sie wurde später von den Rettungskräften gefunden.

Das Massaker an der Mormonenfamilie sorgt für Entsetzen. Die Mütter wollten  in einer gebirgigen Gegend zwischen den nördlichen Bundesstaaten Sonora und Chihuahua zum Flughafen fahren, als Unbekannte auf sie schossen. Um den Tatort herum fand die Polizei mehr als 200 Patronenhülsen.

In dieser Gegend  ist unter anderem das Sinaloa-Kartell des früheren Drogenbosses Joaquin „El Chapo“ Guzman aktiv. Bei den Opfern handelte es sich um eine bekannte Familie mormonischen Glaubens, die nach Medienberichten sowohl die US-amerikanische als auch die mexikanische Staatsbürgerschaft hat. Es hatte vor Jahren bereits Drohungen und Gewalt gegen die Familie durch kriminelle Banden gegeben.

 Die Verletzten wurden nach Angaben des US-Botschafters in Mexiko, Christopher Landau, in die USA gebracht. Unter den Opfern ist Rhonita Maria Miller, die mit vier von ihren sieben Kindern bei dem Überfall starb. Die Jüngsten waren die erst acht Monate alten Zwillinge Tiana Gricel und Titus Alvin. Ihre Schwägerin Kendra Lee Miller sagte zu CNN: „Die Drogenkartelle haben zu viele unserer Angehörigen getötet. Sie waren nicht die Ersten.“

Alfonso Durazo, Mexikos Minister für Sicherheit, sagte, dass die Mörder die SUVs wahrscheinlich mit denen einer rivalisierenden Gang verwechselt haben könnten. In dem Gebiet kommt es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Kartellen. Das Sinaloa-Kartell kämpft um sein Revier.

Trump will Krieg

Präsident Trump, offenbar aufgerüttelt durch Fernsehberichte, hat nun auch seine Hilfe für einen „Krieg“ gegen die Drogenkartelle angeboten. „Es ist jetzt an der Zeit für Mexiko, mit der Hilfe der Vereinigten Staaten, einen KRIEG gegen Drogenkartelle zu führen und sie vom Erdboden hinwegzufegen“, schrieb  er auf Twitter. „Wir erwarten einen Anruf von ihrem großartigen neuen Präsidenten!“

Mexikos Präsident Andres Manuel Lopez Obrador drückte den Angehörigen sein Beileid aus und kündigte eine Untersuchung an. Er werde sich mit Trump in Verbindung setzen, um ihn zu informieren und ihm für seine Unterstützung zu danken. Mexikos Souveränität müsse jedenfalls erhalten bleiben, so Lopez. Eine Intervention aus dem Ausland hält er „bei solchen Fällen“ aber nicht für notwendig.

 

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