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Chronik | Welt
07/18/2019

Boeing-737-MAX: Ähnliches Problem bei Airbus entdeckt

Software-Problem führt zu Schwierigkeiten bei Trimmung von A312neo. Lufthansa, Turkish und Easy Jet sind betroffen.

Nach der Boeing-737-MAX hat nun auch der neue Airbus-Jet A321neo gröbere Probleme bei der Software und der richtigen Trimmung. Die Trimmung bedeutet, dass der Jet in der richtigen Flugposition liegt und die Nase nicht zu hoch oder zu tief ist. Auch bei Airbus soll es ein "exzessives Pitch-Problem" geben, also ein aggressives Verhalten der Flugzeugnase.

Auch bei Airbus soll es ein „exzessives Pitch-Problem“ geben, also ein aggressives Verhalten der Flugzeugnase. Airbus muss dies vorerst aber „nur“ mit einer Änderung des Flughandbuches bewerkstelligen und darf weiter fliegen. Die Piloten bekommen damit Hinweise, wie sie sich in problematischen Situationen verhalten sollen.

Trimmungs-Probleme auch bei Boeing

Boeing baute das Stabilitätsprogramm MCAS ein, um dieses Trimmungs-Problem zu beheben. Denn bei niedrigen Geschwindigkeiten und speziellen Fluglagen muss die Software eingreifen, um die richtige Position des Jets in der Luft wieder herzustellen. MCAS dürfte dann allerdings zu viel getan haben und führte wahrscheinlich zum Absturz zweier Maschinen in Indonesien und Äthiopien.

Folge der Abstürze in Indonesien und Äthiopien?

Bei Airbus funktioniert das alles noch viel technischer als Boeing. Wie der KURIER bereits vor Monaten aus gut informierten Kreisen erfuhr, musste die komplette Airbus-Software nach dem zweiten MAX-Absturz in Äthiopien offenbar auf den Prüfstand. Insider befürchteten schon vor Wochen, dass es auch dort zu Folgen kommen könnte. Nun ist es soweit.

Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat alle Fluglinien mit diesen Jets - darunter die in Wien stationierte Easy Jet, die Lufthansa oder Turkish Airlines - mittels einer "Airworthiness Directive" angewiesen, innerhalb von 30 Tagen die entsprechenden Flughandbücher auszutauschen.

In Fachmedien wird aber bereits spekuliert, ob dies ausreichend sein wird. Bei Airbus selbst war vorerst niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Laut einem Fachmagazin werde die Causa derzeit vom Hersteller "geprüft".

Betroffen ist vorerst - bei einigen Typen des A321neo - das sogenannte ELAC-System (Elevator Aileron Computer). Dieses ist mehr ein allgemeines Flugsteuerungssystem. Gesteuert wird damit sehr vieles, aber eben auch das Höhenruder für die richtige Trimmung.

"ELAC hat nichts unmittelbar mit MCAS zu tun, das ist etwas anderes", erklärt der österreichische Flugexperte Helfried Aubauer. MCAS funktioniere eindimensional, ELAC strahle auf andere Systeme ab.

Wieder die großen Triebwerke

Allerdings gibt es bei Airbus, die das gleiche übergroße Triebwerk wie die MAX-Maschine nutzt, dadurch in nicht näher definierten Flugsituationen nun ebenfalls ein Trimmungsproblem.

 

Bis zu 220 Passagiere im A321neo

Der A321neo kann jedenfalls bis zu 220 Passagiere aufnehmen. Er wurde aus dem A320 weiterentwickelt - und mit leistungsstärkeren Triebwerken ausgestattet. Durch den Erfolg der neo-Serie wurde Boeing so stark unter Druck gesetzt, dass es zu den mutmaßlichen Schlampereien bei den MAX-Maschinen gekommen ist. Gröbere technische Probleme mit dem A321neo sind aber bisher nicht bekannt.

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