Students visiting from the mainland are isolated in a hotel after testing positive for COVID-19, in Palma de Mallorca

© REUTERS / ENRIQUE CALVO

Chronik Welt
07/01/2021

Maturanten feierten auf Mallorca: Jetzt startet Impfwettlauf gegen Infektionswelle

Die Superspreader der Nation, 1.824 positiv, 6.000 in Quarantäne.

Aus Madrid, Maren Häußermann

Die Maturanten hatten sich gefreut, endlich vom Festland wegzukommen. In unterschiedlichen Gruppierungen reisten sie aus ganz Spanien nach Mallorca und feierten am 15. Juni ausgelassen in der Stierkampfarena von Palma de Mallorca beim ersten Reggaeton-Konzert seit Monaten.

Nun sind sie die Superspreader der Nation. In der Zwischenzeit gibt es 1.824 positive Covidfälle, die auf den Spaß in Mallorca zurückzuführen sind, fast 6.000 Leute sind deshalb in Quarantäne.

Am Dienstag meldete das nationale Gesundheitsamt über 9.000 Neuinfektionen, die höchste Zahl seit April. Da in Spanien die Impfpriorisierung nicht aufgehoben wurde, konzentriert sich der Großteil der Infektionen jetzt auf die Altersklassen unter 30.

Vermutlich spüren die Krankenhäuser auch deshalb nicht so einen großen Druck wie die Familienärzte.

Spanien versucht, seine Bevölkerung vor der neuen Welle zu retten. Schon in der vergangenen Woche, als sich das Desaster abzuzeichnen begann, haben die meisten Baleareninseln damit begonnen, Impftermine auch an junge Leute ab 16 auszugeben, Mallorca folgte am Dienstag.

Die Insel, die sich bisher sehr um niedrige Infektionszahlen bemüht hat, um den Sommertourismus zu retten, fürchtet um ihren guten Ruf. Die Regierung will die Organisatoren des Konzertes deshalb mit einer Strafe in Höhe von 200.000 Euro belangen und ermittelt auch wegen Partys auf Booten und in Hotels.

Beschwerden

Die betroffenen Maturanten schickten sie unterdessen ins Coronahotel in Palma in Quarantäne. Nach kurzer Zeit gingen die negativ getesteten auf die Barrikaden. Sie sprachen von einer „Entführung“ und beschwerten sich über das Essen. Spanien reagierte zynisch darauf. „Keine Sorge, morgen schmeckt ihr eh nichts mehr“, schrieb das „Coronavirus“ auf Twitter, andere bemitleiden Lehrer, und wieder andere die Maturanten, die auf Leintüchern Protestnoten in die Kameras hielten. Unter Eltern entzündete sich eine Debatte über Verantwortung.

Mittwoch Abend entschied das Gericht zugunsten der Eltern, die, vertreten durch die Anwälte der Reiseorganisatoren, eine Klage gegen die generelle Quarantäne eingereicht hatten. Zu diesem Zeitpunkt waren schon zwei Schüler aus dem Quarantänehotel geflohen.

Die Jugendlichen mit negativen Testergebnisse werden jetzt mit einem Boot aufs Festland gebracht. Dort impft jede Region anders.

Bisher haben 37 Prozent der Spanier die komplette Impfung, 53,4 Prozent den ersten Stich. In Katalonien werden seit 1. Juli auch über 16-Jährige geimpft, in Madrid könne sich die über 35-Jährigen sich 24 Stunden lang impfen lassen. Manche Eltern in der Hauptstadt schicken ihre Party-Kinder jetzt direkt ins Ferienhaus, wo sie die Quarantäne und den Maturaparty-Kater fern von anderen Menschen auszusitzen können.

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