© via REUTERS/GALVESTON PD

Chronik Welt
10/12/2020

Mann, der wie Sklave abgeführt wurde, fordert 1 Million Dollar

Für die erlittene Schmach und Angst verlangt der US-Bürger Donald Neely von der Polizei in Texas finanzielle Entschädigung

Diesen Tag im August 2019 wird Donald Neely nie vergessen. Der 44-jährige Schwarze wurde damals in der Stadt Galveston im US-Bundesstaat Texas von einem berittenen weißen Polizisten festgenommen, mit Handschellen versehen und barfuß an einem langen Seil durch die Stadt bis zum Polizeidepartment geführt. Jetzt klagte der US-Bürger die Polizeibehörde auf eine Million Dollar für seine erlittene Angst und die Erniedrigung, wie ein Sklave abgeführt worden zu sein. 

"Das Verhalten der Polizisten war empörend", beklagt sich Neely. Er war zum Zeitpunkt der Festnahme obdachlos. Die Bilder, die an historische Fotos im Umgang mit schwarzen Sklaven erinnerten, gingen damals um die Welt und lösten bei vielen Menschen Empörung aus. In den USA war es einer von vielen Vorfällen, die heftige Rassismusdebatten zur Folge hatten.

"Extrem und ungeheuerlich"

Die Anwältin des Mannes sagte, ihrem Mandanten gehe es dabei "nicht nur um das Geld". Es gehe ihm um das, was "falsch und richtig für alle Menschen" sei.

Neely war im August 2019 in Galveston wegen des widerrechtlichen Betreten eines Grundstücks festgenommen worden. Ihm wurden Handschellen angelegt, an denen die Beamten dann das Seil anbrachten. Die auf Pferden sitzenden Beamten führten ihn anschließend durch das Stadtzentrum ab, wo mehrere Menschen den Vorfall fotografierten.

Im Internet verbreitete Aufnahmen des Vorfalls sorgten für große Empörung. Die Bilder weckten Erinnerungen an rassistische Gewalt in der US-Geschichte, etwa an das Anketten von Sklaven und Lynchmorde an Schwarzen. In der jetzigen Klageschrift bezeichnete Neely seine Behandlung als "extrem und ungeheuerlich". Für ihn habe es sich so gefühlt, als werde er derart vorgeführt wie einst die Sklaven, heißt es darin auch.

"Trainierte Technik"

Zum Zeitpunkt des Vorfalls war Neely, der an mentalen Problemen leidet, obdachlos. Der Polizeichef von Galveston, Vernon Hale, entschuldigte sich damals für das Vorgehen der Beamten. Diese hätten "schlechtes Urteilsvermögen" an den Tag gelegt und Neely "unnötige Scham" zugefügt. Gleichwohl betonte der Polizeichef, bei der Methode handle es sich um eine "trainierte Technik", die in bestimmten Fällen die "beste Vorgehensweise" sei.

Die Debatte um exzessive Polizeigewalt gegen Schwarze hat in den vergangenen Monaten in den USA stark zugenommen. Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota finden immer wieder Proteste statt, die manchmal auch in Gewalt münden. Das Thema spielt auch im Wahlkampf für die Präsidentenwahl am 3. November eine große Rolle, bei der Amtsinhaber Donald Trump gegen den Demokraten Joe Biden antritt.

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