Letzte Forscher zu Pius XII. verlassen vorerst Vatikan-Archive

St. Peter in Rom
Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus betreffen auch den Zugang zu den erst Anfang März zugänglich gemachten Akten des Pacelli-Pontifikats.

Wegen der Coronavirus-Krise hat nun auch das letzte Archiv des Vatikans bis auf Weiteres seine Pforten geschlossen. Zwei Forscher der deutschen Universität Münster konnten bis Montagabend noch das Archiv der Glaubenskongregation nutzen, um sich die erst vor einer Woche zugänglich gemachten Akten aus dem Pontifikat von Papst Pius XII. (1939-1958) anzusehen. Andere Einrichtungen wie das Apostolische Archiv und jene des Staatssekretariats waren bereits am Wochenende geschlossen worden.

Zuletzt habe man die Zahl der Zugänge von knapp 20 auf sieben reduziert und darauf geachtet, dass zwischen den Anwesenden im Lesesaal mindestens ein Stuhl frei blieb, sagte Elisabeth-Marie Richter vom Seminar für Kirchengeschichte der Universität Münster der Nachrichtenagentur Kathpress in Rom. "Gerade erst haben wir ein Gefühl für die neuen Bestände bekommen", bedauerte sie die ungeplante frühere Rückreise nach Deutschland.

Kollegen aus Israel und USA etwa waren wegen Reisewarnungen für Italien zu der lange erwarteten Archivöffnung Anfang März gar nicht erst angereist. Allein der US-Historiker David Kerzer bleibt in Rom, er hat derzeit ein Sabbatjahr und deswegen keine Lehrveranstaltungen.

Lob für Arbeitsbedingungen

Über die Arbeitsbedingungen in den Vatikanarchiven zeigten sich Richter und ihr Kollege Matthias Daufratshofer erfreut. Noch fehlende digitale Inventare seien im Lauf der ersten Woche nachgereicht worden, zudem seien die Mitarbeiter sehr hilfsbereit gewesen.

Entsprechend den bisherigen Erlassen der italienischen Regierung bleiben auch die Vatikan-Archive zunächst bis Freitag, 3. April geschlossen. Da anschließend die Karwoche vor Ostern beginnt, rechnen Richter und Daufratshofer mit einer Rückkehr nach Rom erst nach Ostern.

Entwurf für unveröffentlichte Enzyklika entdeckt

Daufratshofer berichtete auch über einen ersten Fund nach Öffnung der Archive: einen Entwurf für eine unveröffentlichte Enzyklika von Pius XII. In dieser wollte der Pontifex "moderne Irrtümer der damaligen Zeit" behandeln. Konkret sei es um drei Themenfelder gegangen: moraltheologische Fragen, Autorität und Gehorsam in der Kirche sowie das Verhältnis von Staat und Kirche.

Für weitere Aussagen sei es allerdings noch zu früh, so der Historiker. Mit der Auswertung und notwendigen Zuordnung der verschiedenen Dokumente müsse man warten, bis die Fortsetzung der Forschungsarbeiten möglich sein werde.

Im Archiv des früheren "Heiligen Offiziums" war der Historiker in der vergangenen Woche auch auf vorbereitende Texte zur Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel gestoßen. Dabei interessieren Daufratshofer zum einen die inhaltlichen Zuarbeiten, andererseits die Frage: Wie und von wem wird die Verkündigung eines solchen Dogmas, die bislang einzige seit dem Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit von 1870, vorbereitet?

Mit der Verkündigung des Glaubenssatzes, dass Gott die Mutter Jesu nach ihrem Tod mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen habe, legte Pius XII. am 1. November 1950 in der Konstitution "Munificentissimus Deus" ("Der unendlich freigiebige Gott") eine bereits jahrhundertealte Glaubensüberzeugung lehramtlich fest.

Kommentare