© REUTERS/YARA NARDI

Chronik Welt
08/01/2021

Kreuzfahrtschiffe sind weg, doch die Probleme in Venedig bleiben

Die Lagunenstadt hat mit 1. August den Schiffen die Einfahrt ins Zentrum verboten, kämpft aber mit anderen Tourismus-Auswüchsen.

von Andrea Affaticati

Der italienische Kulturminister Dario Franceschini atmete auf, als vorige Woche das „UNESCO Komitee“ Venedig nicht auf die Liste der „World Heritage Sites in Danger“ setzte. Dass es nicht so weit gekommen ist, wie viele befürchtet hatten, ist auf den in letzter Minute gefassten Entschluss der Regierung, ab 1. August den großen Kreuzfahrtschiffen die Fahrt durch die Lagunenstadt zu verbieten, zu verdanken. Doch Venedig und sein Status als Weltkulturerbe bleibt weiter unter strenger Beobachtung.

Denn es sind nicht nur die Riesendampfer, die das Ökosystem der Lagune und die Fundamente der alten Bauten angreifen. Ein weiteres Problem stellt der Massentourismus dar. 2019 waren es an die 16 Millionen Touristen, die sich durch ihre engen Gassen drängten. Die Pandemie und das Wegfallen der Massen war einerseits katastrophal für die Wirtschaft der Stadt, die mittlerweile in höchstem Maße von der Tourismusbranche abhängig ist, stellte aber für das Ökosystem und die von Jahr zu Jahr schrumpfende Einwohner Venedigs eine kurze Verschnaufpause dar.

Eine erzwungene Pause, die aber auch eine Chance hätte darstellen können, Venedig aus der Monokultur des Tourismus zu befreien. „Von so einem Plan, der neues Leben in die Stadt injiziert, neue Bewohner anlockt, Berufsperspektiven im Kultur-, Forschungs- und handwerklichen Bereich erschließt, fehlt jedoch jegliche Spur“, sagt Giampietro Pizzo dem KURIER. Er ist Vorsitzender des Netzwerks „Microcredito“ und in der Bürgerinitiative „Venezia Cambia“ (Venedig ändert sich) aktiv: „Die Stadtverwaltung und das Kreditinstitut Cassa Depositi e Prestiti, das vornehmlich Vorhaben im öffentlichen Interesse finanzieren sollte, investieren weiter massiv in Immobilien zum Nutzen des Tourismus.“

Wie im Fall des Gefängnisses „Ex Carceri S. Severo“, unweit vom Markusplatz. Das Gebäude wurde 1829 von den Österreichern errichtet und diente ursprünglich der Inhaftierung politischer Gegner. Seit zwei Wochen hat man den Bau zum Verkauf auf den Markt gesetzt. Interessenten können bis zum 28. September ein Angebot unterbreiten. In der Mitteilung heißt es: „Angesichts seiner Lage eignet sich der Bau für eine Umstrukturierung in Privatwohnungen oder in eine touristische Beherbergungsstruktur.“

Dass die zweite Möglichkeit aus Investorensicht weitaus interessanter erscheint, zeigt etwa der Palazzo Papadopoli, ein Bau aus dem 16. Jahrhundert mit Fresken des venezianischen Malers Tiepolo. Der Palazzo ist heute ein 7- Sterne-Hotel, das zur Extra-Luxus-Resort-Gruppe Aman gehört. Ein weiteres Beispiel ist das ehemalige Spital Ospedale al Mare auf dem Lido. Es wurde 1932 eingeweiht, ist nun gänzlich verfallen und soll großteils in zwei Luxusresorts umgebaut werden. „Was bleibt den Venezianern?“ fragt Pizzo. „Der Ausverkauf muss ein Ende haben.“

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