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Chronik Welt
12/01/2020

Wer hat’s erfunden? Kimchi-Krieg zwischen Südkorea und China

Zwischen den beiden Ländern tobt ein Streit über die Herkunft des fermentierten Chinakohls.

Kimchi? Gehört wohl eindeutig zu Korea, oder?

Social-Media-Nutzer in Asien sind über diese Frage nun in Streit entbrannt. Ausgangspunkt war ein Zertifikat der International Organisation for Standardisation für ein Kimchi-Produkt aus China. Chinesische Staatsmedien hatten diese Prämierung als Beweis dafür angeführt, dass China führend in der internationalen Kimchi-Industrie sei – was halb Südkorea in Rage versetzte.

„Das ist völliger Unsinn! Diese Diebe stehlen unsere Kultur!“ zitiert der britische Guardian einen der vielen Kommentare im Netz. Eine andere Stimme: „Die Chinesen behaupten, Kimchi gehört ihnen, und sie hätten den internationalen Standard dafür gesetzt. Das ist absurd!“

Die Kimchi-Weltherrschaft

Dass die Auszeichnung überdies nicht für das originale Kimchi, sondern für Pao Cai – eine eingelegte Kohlvariante aus der Sichuanküche – verliehen wurde, ärgerte Südkoreaner umso mehr. Südkoreanische Medien kommentierten Chinas Vorgehen  als „einen Versuch, die Weltherrschaft an sich zu reißen.“

Auch das südkoreanische Landwirtschaftsministerium ist in der Causa nun ausgerückt. In einem Statement ließ man China lapidar wissen, dass „die ISO-Zertifizierung nichts mit Kimchi zu tun hat.“ Schließlich habe es sich bei dem Zertifikat um eine andere Speise gehandelt, nämlich Pao Cai.

Kohl stammt aus China

In China hingegen wirft man den Südkoreanern eine gewisse Doppelgesichtigkeit vor. Die große Mehrheit des Chinakohls, der dort als Kimchi gegessen werde – etwa zwei Millionen Tonnen pro Jahr sind das – komme nämlich aus dem Reich der Mitte. Im Netz machen sich User auch darüber lustig, dass das Wort für Kimchi sich aus Mandarin ableite.

Die UNO widerspricht dem allerdings. Die UNESCO führt „Kimjang“, also die Herstellung von Kimchi, seit 2013 als immaterielles Weltkulturerbe – und zwar in Südkorea.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass China und Südkorea wegen ihrer kulturellen Errungenschaften aneinandergeraten. Vergangenes Monat kritisierten chinesische Netznutzer die koreanische Girlband Blackpink, weil deren Mitglieder in einem südkoreanischen Zoo ein chinesisches Pandababy ohne Handschuhe hielten – sie hätten das kleine Tier, ein chinesisches Nationalheiligtum, damit unnötig gesundheitlich gefährdet.

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