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Chronik | Welt
07/06/2019

Josef Zotters Kakao-Import mit dem Segelfrachter

Der umweltfreundliche Transport. Vier Tonnen Kakao-Bohnen aus Belize werden heute in Hamburg "feierlich" gelöscht.

„Wir retten nicht das Klima, aber wir zeigen, dass es sexy ist“, sagt der steirische Schokoladenhersteller Josef Zotter. Ein Teil seines Bio-Kakaos, nämlich neun Tonnen von 350, kommt jetzt eben nicht mehr mit Containerschiffen, die mit Schweröl betrieben werden über den Atlantik, sondern unter Segeln.

Heute, Samstag legt die deutsche Avontuur, ein zweimastiger Gaffelschoner, der seit November unterwegs war, in Hamburg an. Das Entladen des alten Segelschiffs wird ein Event. Freiwillige löschen die Ware – Kaffee, Kakao und Rum – und bringen sie auf Lastenfahrrädern in ein Kontor.

In Wien gibt es das Segelprojekt Brigantes, das mit Avontuur kooperiert. Der Cargo-Segler Daniel Kravina fuhr nach Hamburg, um  Josef Zotters vier Tonnen Kakaobohnen aus Belize "feierlich entgegenzunehmen. Er wird dafür sorgen, dass sie ökogerecht in einen Container verladen und mit dem Zug nach Graz gebracht werden. Von dort will Zotter seine Kakaobohnen stilecht mit einem E-Auto abholen lassen.

„Ich weiß, dass das noch keine Lösung ist,“ sagt Zotter, aber ihm gefällt „die Idee der Jungs. Für so was bin ich immer anfällig. Die muss man unterstützen. Es ist ein Anfang“. Zotter hat 20.000 Euro für das Brigantes-Projekt gesponsert. Das Segelschiff aus dem Jahr 1911 soll nach der Restaurierung in einem Jahr in See stechen.

Zwei Euro teurer

Dass der Transport pro Kilo Kakao 2 Euro statt 3 bis 5 Cent am Containerschiff kostet, ist ihm egal. „Man kann ja nicht immer alles nur wirtschaftlich sehen.“ Als ihm die Brigantes Crew eine Werbefläche auf dem Segel anbot und gleich dazusagte, dass man das Zotter-Logo aber in keinem Hafen sehen würde, weil die Segel da schon eingeholt sein würden, antwortete er: „Ihr dürft’s nicht so ehrlich sein.“

Zotter ist gerne auch privat auf Segelbooten mit dabei und freut sich, dass die Brigantes auf ihren Fahrten auch Touristen mitnehmen wird.

Für das Endprodukt ist die längere Fahrt kein Problem: „Für den Kakao ist es sogar besser, denn wenn er länger auf See ist, ist er gut gereift“, sagt Josef Zotter, der sich damit irgendwie auch einen Bubentraum erfüllt hat. Und die fair getradete und gesegelte Schokolade kostet den Endverbraucher nur ein paar Cent mehr, weil kaum noch Lagerkosten anfallen.