Wieder einmal bebt Neapels "Supervulkan"
In den letzten Jahren bebte der Campi Flegrei regelmäßig.
Es war 5:50 Uhr morgens, als am Donnerstag in einigen Stadtteilen Neapels, vor allem aber in den Gemeinden um den Vulkan Campi Flegrei, die Bewohner von einem starken Beben aus dem Schlaf gerissen wurden. Wieder einmal tanzte die Erde unter ihnen, diesmal in einer Stärke von 4,4 auf der Richterskala. Dem ersten Beben folgte paar Minuten später ein zweites nach, in der Stärke von 1,2 und kurz danach ein drittes (2,1 auf der Richterskala). Wie das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mitteilte, soll das Epizentrum des Erdbebens in einer Tiefe von drei Kilometer vor der Küste von Bacoli und Pozzuoli gelegen haben.
"Diesmal hat die Erde besonders lang gezittert", sagt eine noch ziemlich aufgewühlte Frau vor laufender Kamera. Sie habe ihre Kinder geweckt und sei mit ihnen und ihrem Mann, alle noch im Schlafanzug, auf die Straße gerannt. "Auch wenn es immer wieder passiert, gewöhnt man sich nicht daran", fügt sie hinzu.
Geschlossene Schulen
Die betroffenen Gemeinden haben sofort die nötigen Sicherheitsmaßnahmen veranlasst. Der Bürgermeister von Bacoli ließ über ein Posting online wissen, "dass alle öffentlichen und privaten Schulen geschlossen bleiben". Eine Maßnahme, die auch in Pozzuoli und anderen Gemeinden sowie in dem neapolitanischen Vorstadtviertel Bagnoli-Fuorigrotta getroffen wurde, um die nötigen Kontrollen durchzuführen.
Immer wieder bebt es unter der Kruste des Vulkans Campi Flegrei, der wegen seiner Fläche (insgesamt über 150 Quadratkilometern) und der lebhaften, sprich gefährlichen magmatischen Aktivität als Supervulkan eingeordnet wird. Das Phänomen des "bradisismo", dieser Erdbewegungen, ist schon seit einiger Zeit wieder in vollem Gange. Jene vom Donnerstag waren die stärksten, wenngleich doch etwas schwächer als jene zwei Beben im vorigen Jahr, die eine Stärke von 4,6 der Richter-Skala erreicht hatten.
Evakuierungsplan
Zum Glück gab es dieses Mal keine Verletzten und auch keine schwerwiegenden strukturellen Schäden. Nur in Bacoli bröckelte der Putz von einigen Bauten, außerdem wurde der Belvedere–Bogen, von dem aus sich ein atemberaubender Blick auf den Golf von Neapel bietet, beschädigt.
Bacoli, Pozzuoli und andere dreizehn Gemeinden befinden sich in der sogenannten roten Zone, eine Gegend, die vor allem bei einem Vulkanausbruch besonders stark gefährdet wäre. Deshalb steht auch ein Evakuierungsplan bereit, der es ermöglichen soll, die Menschen hier in maximal 72 Stunden in Sicherheit zu bringen.
Den Experten des INGV zufolge sei es höchst unwahrscheinlich, dass es auf dem Campi Flegrei zu einem Erdbeben mit einer Stärke von über 5 auf der Richterskala kommen könnte, und das so zerstörerisch wie ein tektonisches Beben wäre, bei dem sich im Erdinneren aneinander vorbeibewegende Erdplatten ineinander verhaken. Für die Menschen, die hier wohnen – und das sind immerhin 600.000 – ist das aber weder eine Garantie noch macht es ihr Leben einfacher. Und dass ihr Vulkan das letzte Mal im Jahr 1538 ausgebrochen ist, macht ihn auch nicht weniger gefährlich.
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