Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

„Flammenwand“: Löschflugzeuge bekämpfen Waldbrand bei Paris

Das Feuer im Wald von Fontainebleau hat bereits 800 Hektar zerstört und dehnt sich weiter aus.
FRANCE-FIRE-WEATHER-CLIMAT-FORESTS

Zusammenfassung

  • Wegen der starken Hitze wurden in Frankreich drei Atomreaktoren vorübergehend abgeschaltet und sieben weitere gedrosselt.
  • EDF begründete die Maßnahmen mit Umweltauflagen für die Ableitung von Kühlwasser, um eine zusätzliche Erwärmung der Flüsse zu vermeiden.
  • Frankreich erlebt bereits die dritte Hitzewelle in zwei Monaten; schon im Juni mussten deshalb Reaktoren heruntergefahren werden.

Im bekannten Wald von Fontainebleau südlich von Paris kämpfen rund 400 Feuerwehrleute gegen einen massiven Brand. Das am späten Sonntagnachmittag am Rande einer Autobahn ausgebrochene Feuer habe bereits 800 Hektar Wald zerstört und dehne sich weiter aus, teilte die Feuerwehr mit. 

Am Morgen starteten zwei Löschflugzeuge zur Bekämpfung der Flammen, die in der Seine Wasser aufnehmen, wie es vom Departement Seine et Marne hieß.

Evakuierungen

Der Wald von Fontainebleau, in dem sich das gleichnamige Schloss befindet, ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Westeuropas. Mehr als 1.000 Anrainer und Touristen seien evakuiert worden, sagte der Bürgermeister der Ortschaft Le Vaudoué dem Sender BFMTV. Er sprach von „einer Flammenwand“, die sehr schnell vorrücke und die ersten Häuser am Ortsrand erreiche. 

Laut Regierungssprecherin Maud Bregeon handelt es sich um eine „außergewöhnliche Lage“, der Staat setze alle Mittel in Bewegung, um die Flammen zu bekämpfen. In der Nordhälfte Frankreichs sei man solche Waldbrände bisher nicht gewohnt gewesen.

Major fire rages in Fontainebleau Forest

Flammen blockieren Züge und Autobahn

Wegen des Brandes kommt es mitten in der Feriensaison zu starken Beeinträchtigungen auf der wichtigen Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke von Paris nach Lyon und weiter Richtung Süden, wie die Staatsbahn SNCF mitteilte. Die Löscharbeiten entlang der Bahnstrecke seien abgeschlossen, Techniker überprüften die Installationen der Bahn. Vom Nachmittag an sollten die TGV-Züge wieder planmäßig fahren. Die Autobahn A6 blieb unterdessen auf einem Abschnitt gesperrt.

Auch in anderen Teilen Frankreichs musste die Feuerwehr immer wieder zu Naturbränden ausrücken. Die bereits dritte Hitzewelle in diesem Jahr sorgt für große Trockenheit und hohe Temperaturen. Für 37 Departements verhängte der staatliche Wetterdienst Météo France zu Wochenbeginn angesichts der Hitze die höchste Warnstufe Rot.

Atomreaktoren heruntergefahren

In Frankreich sind wegen der starken Hitze am Sonntag drei Atomreaktoren vorübergehend heruntergefahren und sieben weitere gedrosselt worden

Aufgrund der Wetterbedingungen und zur Einhaltung der Vorschriften für die Ableitung von Kühlwasser „und damit zum Schutz der Umwelt“ seien Reaktoren in Golfech an der Garonne, in Bugey an der Rhône sowie in Chooz an der Meuse abgeschaltet worden, teilte der Kraftwerksbetreiber EDF der Nachrichtenagentur AFP mit.

Zudem seien jeweils zwei Reaktoren in Saint-Alban, in Blayais und Bugey sowie einer in Chooz gedrosselt worden, erklärte das Unternehmen weiter. Ein Reaktor in Tricastin an der Drôme sei vorübergehend gedrosselt worden, laufe aber seit dem späten Nachmittag wieder normal. 

Mit den Maßnahmen soll verhindert werden, dass während der aktuellen Hitzewelle zu viel warmes Kühlwasser in die ohnehin wärmer werdenden Flüsse abgeleitet wird.

Höchstwerte für Wassertemperatur

Frankreich verfügt über 57 Atomreaktoren, die rund 70 Prozent des Stroms produzieren. Alle befinden sich an Flüssen oder am Meer, nutzen das Wasser zur Kühlung der Reaktoren und leiten es erwärmt in den Fluss oder ins Meer zurück. Um Schäden für die Ökosysteme zu begrenzen, legt die Atomaufsichtsbehörde ASNR für jedes Kraftwerk Höchstwerte für die Wassertemperatur fest. EDF als Betreiber ist verpflichtet, die Leistung seiner Atomkraftwerke unter bestimmten Umständen zu reduzieren.

Frankreich erlebt derzeit die dritte Hitzewelle in zwei Monaten. Bereits bei der zweiten Hitzewelle im Juni hatte EDF Reaktoren herunterfahren müssen.

Kommentare