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Chronik Welt
03/06/2021

Historischer Prozess gegen Polizeigewalt in den USA

In Verfahren gegen Ex-Beamten wegen Todes von George Floyd beginnt am Montag die Auswahl der Geschworenen.

Die Bilder vom langsamen, qualvollen Tod von George Floyd gingen um die Welt. Rund neun Minuten lang drĂŒckte der weiße Polizist Derek Chauvin sein Knie in den Nacken des auf dem Boden liegenden Afroamerikaners. "Ich kann nicht atmen", klagte Floyd immer wieder - vergebens. Der auf einem Handyvideo festgehaltene Tod des 46-JĂ€hrigen sorgte weltweit fĂŒr Entsetzen und löste beispiellose Anti-Rassismus-Proteste aus.

Chauvin wurde zum Sinnbild fĂŒr Polizeigewalt in den USA. Jetzt beginnt der Prozess gegen den Ex-Polizisten. In Minneapolis startet am Montag die Auswahl der zwölf Geschworenen. In der Stadt im nördlichen US-Staat Minnesota war es am 25. Mai des vergangenen Jahres zum tödlichen Aufeinandertreffen zwischen Floyd und Chauvin gekommen.

Festnahme wegen Falschgelds

Polizisten hatten den Schwarzen festgenommen, weil er mit einem gefĂ€lschten 20-Dollar-Schein Zigaretten gekauft haben soll. Doch der in Handschellen gelegte Familienvater weigerte sich, in ein Polizeiauto zu steigen. Die Beamten fixierten Floyd schließlich auf den Boden - und Chauvin presste ihm sein linkes Knie in den Nacken.

Der 44-JĂ€hrige ließ nicht von Floyd ab, obwohl der mehr als 20 Mal klagte, keine Luft mehr zu bekommen, um sein Leben bettelte und nach seiner Mutter rief. Chauvin ließ auch nicht ab, als der Afroamerikaner das Bewusstsein verlor. Acht Minuten und 46 Sekunden dauerte die brutale Episode, erklĂ€rten die Ermittler spĂ€ter.

Symbol fĂŒr "Black Lives Matter"

Eine Zahl, die ebenso wie Floyds Name und Gesicht zu einem Symbol der Black-Lives-Matter-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt wurde, auch wenn es inzwischen widersprĂŒchliche Angaben zur genauen Dauer gibt.

Chauvin und die drei anderen an der Festnahme beteiligten Polizisten wurden entlassen und angeklagt. ZunÀchst wird nun Chauvin der Prozess gemacht. Der Hauptanklagepunkt lautet auf "Mord zweiten Grades". Das entspricht in etwa einem Totschlag in besonders schwerem Fall und kann mit bis zu 40 Jahren GefÀngnis bestraft werden, auch wenn die Staatsanwalt keine Tötungsabsicht sieht.

Ex-Polizist weist VorwĂŒrfe zurĂŒck

Der Ex-Polizist, der sich gegen Kaution auf freiem Fuß befindet, weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck. Sein Anwalt Eric Nelson hat erklĂ€rt, Chauvin habe gemĂ€ĂŸ seiner Ausbildung gehandelt, um einen widerspenstigen Festgenommenen zu kontrollieren. Er argumentiert, Floyd sei an dem Opioid Fentanyl zu Tode gekommen. Die Gerichtsmedizin hat die Droge in Floyds Blut nachgewiesen, bei der Todesursache aber explizit auf den Druck auf den Nacken des 46-JĂ€hrigen verwiesen.

Drei Wochen sind fĂŒr die Auswahl der Geschworenen veranschlagt - in einem so öffentlichen Fall eine komplizierte Prozedur. Die inhaltlichen Verhandlungen sollen dann am 29. MĂ€rz beginnen und dĂŒrften sich bis Ende April ziehen.

Immer wieder derartige FĂ€lle

Der fĂŒr die Staatsanwaltschaft arbeitende Jurist Neal Katyal bezeichnete den Prozess kĂŒrzlich als "einen der wichtigsten in der Geschichte unserer Nation". Denn immer wieder werden die USA von FĂ€llen von tödlicher Polizeigewalt gegen Afroamerikaner erschĂŒttert. Polizisten werden aber nur sehr selten fĂŒr ihr Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen.

"Dass ein Polizist wegen missbrĂ€uchlicher Gewaltanwendung angeklagt wird, ist in den USA selten, und erst recht wegen Mordes", sagt der Polizei-Experte Ashley Heiberger. Noch seltener seien Verurteilungen: Im Zweifelsfall entscheide die Jury eher zugunsten von Polizisten. FĂŒr einen Schuldspruch gegen Chauvin ist ein einstimmiges Votum der zwölf Geschworenen nötig.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Die Behörden befĂŒrchten Proteste und Ausschreitungen, sollte der Ex-Polizist freigesprochen werden. FĂŒr den Prozess gelten deswegen massive Sicherheitsvorkehrungen. Das GerichtsgebĂ€ude wurde mit ZĂ€unen, Betonbarrieren und Stacheldraht abgesichert, 2000 Nationalgardisten wurden mobilisiert.

Neben der juristischen Aufarbeitung von Floyds Tod hat auch die Politik gehandelt: Das ReprĂ€sentantenhaus stimmte am Mittwoch fĂŒr eine umfassende Polizeireform. Benannt ist das Gesetz, das noch vom Senat bestĂ€tigt werden muss, nach George Floyd.

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