German special forces prepare to search an area after a shooting in Hanau near Frankfurt

© REUTERS / KAI PFAFFENBACH

Chronik Welt
02/20/2020

Gewalttat in Hanau: Was wir wissen – und was nicht

Die wichtigsten Infos zu den elf Toten in der hessischen Kleinstadt.

Was ist passiert?

Bei Schüssen an zwei Tatorten im hessischen Hanau, 30 Kilometer östlich von Frankfurt am Main, sind neun Menschen getötet und fünf weitere verletzt worden. Die Schüsse fielen am Mittwochabend gegen 22 Uhr.

Am Morgen wurde der mutmaßliche Täter in seiner Wohnung tot aufgefunden. Die Polizei geht aktuell von einem Suizid aus. In der Wohnung wurde zudem eine weitere Leiche gefunden.

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Wer sind die Opfer?

Darüber ist noch wenig bekannt, die Identität der Opfer ist noch nicht geklärt. Berichten zufolge sollen mehrere Opfer kurdischer Abstammung sein. Die Schüsse fielen zunächst in einer Shisha-Bar am Rande der Hanauer Innenstadt. 

Wer ist der mutmaßliche Täter?

Bestätigte Informationen zur Identität des Täters gibt es bislang noch nicht. Laut Informationen des Terrorismus-Experten der ARD, Holger Schmidt, handelt es sich um einen 43 Jahre alten Deutschen namens Tobias R.  mit Waffenschein.

Er soll weder dem Landesamt für Verfassungsschutz noch der Polizei bekannt gewesen sein.

R. wurde am Morgen von der Polizei tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelte.

Wer ist die zweite Leiche in der Wohnung des Täters?

Offiziell gibt es dazu noch keine Informationen. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung soll es sich um die Mutter des Täters handeln. Bestätigt ist das noch nicht.

Was ist das Motiv?

In der Wohnung fand die Polizei ein Bekennerschreiben und ein Video, in dem der mutmaßliche Täter eine „persönliche Botschaft an alle Amerikaner“ aufgenommen hat. Das Video enthält krude Verschwörungstheorien von unterirdischen Militäreinrichtungen in den USA, wo auch dem Teufel gehuldigt werden würde.

Das Bekennerschreiben in der Wohnung soll jedoch andere Motive anführen. In dem 24-seitigen Schreiben spricht Tobias R. unter anderem davon, dass bestimmte Völker vernichtet werden müssten, deren Ausweisung aus Deutschland nicht mehr zu schaffen sei.

Die hessischen Behörden gehen deshalb auch von einem fremdenfeindlichen Motiv aus, der Generalbundesanwalt ermittelt wegen Terrorverdachts. 

Das Video war zunächst auf Youtube und der Homepage des Täters zu finden, wurde inzwischen jedoch offline gestellt. Wir zeigen das auch uns vorliegende Bekennervideo nicht, sondern nur verpixelt als Standbild oder nur als wenige Sekunden lange Sequenzen ohne die Stimme des mutmaßlichen Täters Tobias R., weil wir Tätern, die mit ihren Taten bewusst eine Öffentlichkeit suchen, keine offene Bühne geben.

Wie ist der Tathergang? 

Ereignet hat sich das Attentat am Mittwochabend um etwa 22 Uhr in und vor zwei Shisha-Bars der 100.000-Einwohner-Stadt nahe Frankfurt. Der Täter soll bei einer Bar geklingelt und dann im Raucherbereich wild um sich geschossen haben. Die Polizei war danach mit einem Großaufgebot im Einsatz. Ein weiterer Tatort liegt nach Polizei-Angaben am Kurt-Schumacher-Platz. Er befindet sich etwa zweieinhalb Kilometer vom ersten Tatort entfernt. Dort kamen der Polizei zufolge fünf junge Menschen ums Leben. Anschließend fuhr der Tobias R. mit seinem Auto in die sogenannte Kesselstadt, ein Wohngebiet in Hanau, in der auch seine Wohnung liegt. 

Welche Reaktionen gibt es auf die Geschehnisse in Hanau?

"Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben", sagte Hanaus Oberbürgermeister Kaminsky (SPD). Die deutsche Bundesregierung reagierte bestürzt auf das schwere Gewaltverbrechen. "Die Gedanken sind heute morgen bei den Menschen in #Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter.