Chronik | Welt
30.07.2018

Frauentruppe jagt in Simbabwe Wilderer

Die „Tapferen“ werden die Rangerinnen genannt, die Elefant, Giraffe & Co. schützen

Wenn sie in voller Tarnmontur mit grün-grau bemaltem Gesicht auftreten, heben sie sich von ihrer Umgebung kaum ab. Martialisch schauen sie aus, wie Angehörige der militärischen Elitetruppe Navy Seals im Kampfeinsatz. Der Spezialauftrag der resoluten Damen: Sie schützen im Norden Simbabwes Elefanten, Giraffen & Co. vor Wilderern.

„Akashinga“, die „ Tapferen“, werden sie genannt. Und das nicht nur deswegen, weil sie mit halbautomatischen Waffen Trophäenjägern aus aller Welt das Handwerk legen, sondern weil sie damit auch die Tristesse ihres früheren Lebens mutig hinter sich ließen. Denn die erste weibliche Anti-Wilderer-Einheit Simbabwes besteht aus ehemaligen Prostituierten, Gewaltopfern und verlassenen Müttern. Abhängigkeit und Unterdrückung sind jetzt aber passé. Und so furchtlos, wie sie sich nun Eindringlingen im Busch entgegenstellen, so furchtlos und stolz gehen sie auch sonst durchs Leben.

Gestartet wurde das Projekt von dem Australier Damien Mander, der einst für eine Armee-Spezialeinheit seiner Heimat diente – samt Kriseneinsätzen in Afghanistan und im Irak. „Diese Frauen wurden wie Dreck behandelt. Wenn man sie jetzt sieht, sind sie Anführerinnen“, sagt der Haudegen voll Stolz. Keine von ihnen hatte zuvor je eine Waffe in der Hand, Mander unterwies sie darin, heute sind sie schuss- und zielsicher.

51 Verhaftungen haben die 16 Rangerinnen seit Beginn ihrer Tätigkeit vor einem Jahr vorgenommen. Einmal verfolgten sie drei Wilderer 20 km weit. Das Trio hatte auf der Jagd nach Elfenbein eine Wasserstelle mit Zyanid vergiftet. 11.000 der Dickhäuter gibt es in der Region noch, einer der größten Bestände weltweit. Allerdings waren es 2002 fast doppelt so viele.

Trophäen-Jäger

Gleich neben dem Gebiet, das die „Akashinga“ nun verteidigen, liegt der bei Touristen beliebte Mana-Pools-Nationalpark. Die Gegend war früher ein beliebtes Revier für Trophäen-Jäger. Das warf auch für die örtliche Bevölkerung reichlich Geld ab. Doch diese Quelle versiegte, nachdem die riesige Fläche zur Schutzzone deklariert worden war. Mit dem Frauen-Projekt, das von Nichtregierungsorganisationen und privaten Spendern finanziert wird, soll diese Lücke zumindest teilweise geschlossen werden: 60 Prozent der Mittel fließen in die lokale Wirtschaft.

„Ich kann endlich auf eigenen Beinen stehen“, sagt die Wildhüterin Nyaradzo, „meine Tochter ist stolz auf mich.“