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Frankreich: Brand-Evakuierte kehren nach Hause zurück

In Südfrankreich entspannt sich die Waldbrand-Lage, mehr als die Hälfte der 220.000 Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten, konnten zurückkehren. Doch die Tourismustreibenden sind in großer Sorge.
Simone Weiler aus Paris
Ausgebranntes Haus und zerstörtes Auto unter verkohlten Bäumen.

Es sind zuversichtliche Worte, auf die die Menschen an der von Waldbränden heimgesuchten Atlantikküste in Südwestfrankreich seit mehr als einer Woche gewartet haben. „Es gibt Grund für Optimismus“, sagte der französische Innenminister Laurent Nuñez am Freitagmorgen. Er formulierte es noch vorsichtig, denn den Einsatzkräften war zwar endlich gelungen, die Feuer in der Gegend südwestlich von Bordeaux zu stabilisieren. Komplett gelöscht waren sie noch nicht. An vereinzelten Stellen brandeten die Flammen immer noch auf, auch an anderen Orten in Frankreich.

Seit dem Beginn der Großbrände am 22. Juli haben die Flammen, angetrieben von starken Windböen, mehr als 240.000 Hektar Land zerstört. Etliche Gemeinden vor allem auf der Seezunge Cap Ferret an der Bucht von Arcachon mussten teils oder ganz evakuiert werden, mindestens 220.000 Menschen zeitweise ihr Zuhause, ihre Ferienwohnung oder ihr Seniorenwohnheim verlassen. Bis Freitag konnte mehr als die Hälfte von ihnen wieder dorthin zurückkehren.

Hervé, ein Bewohner des Örtchens Martignas-sur-Jalles, berichtete, wie er und seine Frau einander in die Arme fielen, als sie ihr Haus unversehrt vorfanden. „Wir hatten befürchtet, alles zu verlieren“, sagte er.

Andere hingegen fanden ein Bild der Verwüstung vor, so wie Julien Chatrieux und seine Lebensgefährtin Muriel in Biscarrosse südlich von der Bucht von Arcachon, wo ein weiteres Feuer gewütet hatte. Nur noch die Mauern ihres Hauses stehen, im Inneren ist alles verkohlt. Zerstört ist auch Chatrieux’ Werkstatt für die Reparatur von Booten. Die beiden halbwüchsigen Kinder haben Spendenaufrufe im Internet gestartet, die Eltern stehen in Kontakt mit ihrer Versicherung. „Für uns sind diese Verwaltungssachen sehr kompliziert“, sagte Muriel, während sie mit ihrem Handy Fotos von der Hausruine machte.

Wildfires in southwest France

Erschöpfte Feuerwehrmänner: Die meisten Waldbrände sind derzeit beherrschbar oder bereits gelöscht

Auch im Departement Var im Hinterland von Marseille kämpften die Einsatzkräfte in den vergangenen Tagen gegen schwere Brände an, die fast 5.000 Hektar Wald zerstörten. Der US-Schauspieler George Clooney und seine Frau Amal, die mit ihren Zwillingen in der betroffenen Gemeinde Brignoles leben, mussten ihr Anwesen verlassen. „Was auch mit unserem Dorf passiert, Amal und ich bleiben fester Teil dieser Gemeinschaft und werden dazu beitragen, sie wiederaufzubauen“, versprach Clooney in einer Nachricht in den sozialen Medien.

Innenminister Nuñez gab am Freitag bekannt, dass 308 Menschen, darunter 120 Minderjährige, wegen des Vorwurfs der Brandstiftung festgenommen worden sind. „Wir haben so ungefähr jede Art von Profilen.“ Meist handle es sich um kriminelle Motive. Es gebe „Serientäter“, aber auch Personen, die aus Nachlässigkeit oder mangelnder Vorsicht Feuer provozierten.

Psychologische Hilfe

In den betroffenen Gemeinden in Südfrankreich wurden in den vergangenen Tagen Anlaufstellen eingerichtet, um den Menschen Unterstützung bei Behördengängen oder einfach ein offenes Ohr anzubieten. „Für die Leute, die alles verloren haben, aber auch jene, die sehr geschwächt sind, ist psychologische Hilfe jetzt extrem wichtig“, sagte Laure Pincé, stellvertretende Bürgermeisterin von Biscarrosse.

FRANCE-ENVIRONMENT-CLIMATE-WILDFIRE

Nach dem Feuer

Die Tourismustreibenden in dieser beliebten Urlaubsregion sind derweil besorgt. „Schauen Sie nur: Niemand ist hier“, sagte Arnaud Daligault, Leiter des „Café Maritime“ mit Seeblick in Lacanau. Statt 80 Gäste zum Mittagessen kämen höchstens noch eine Handvoll Leute. „Wir realisieren kaum, dass wir mitten in der Hochsaison sind.“ Die Betreiber von Campingplätzen, Ferienanlagen und Restaurants nutzten teils den erleichterten Zugang zu Kurzarbeit, den die Regierung einrichtete. Zu weiteren Unterstützungsmaßnahmen gehörten die Stundung von Steuer- und Sozialabgaben und eine Erhöhung der Soforthilfen für manche Selbstständige.

Derweil läuft eine Debatte über die mangelnde Vorbereitung der Regierung, die ihr nicht nur die Opposition vorwirft. Auch der stellvertretende Generalsekretär der nationalen Gewerkschaft des fliegenden Personals der Zivilluftfahrt, Eric Durand, wies in den französischen Medien darauf hin, dass zeitweise nur fünf bis sieben der zwölf französischen Canadair-Löschflugzeuge zur Verfügung standen. Alle anderen müssen gewartet oder repariert werden. „Seit zwei Jahren fordern wir einen Plan für die Einsatzbereitschaft der vorhandenen Flugzeuge zur Waldbrand-Saison ab dem 15. Juni, aber dieses Jahr stand von vorneherein fest, dass wir nicht alle Canadair haben würden“, so Durand. Erst im Juni hatte seine Gewerkschaft die französische Generaldirektion für zivile Sicherheit und Krisenmanagement in einem Brief vor der mangelnden Einsatzbereitschaft mehrerer Maschinen im Sommer gewarnt.

Innenminister Nuñez verwies darauf, dass die Löschfahrzeuge 2026 schon sehr viel mehr im Einsatz gewesen seien als in den Vorjahren. Die aktuelle Flotte mit insgesamt 23 Maschinen wird in den nächsten Jahren noch verstärkt, unter anderem mit vier weiteren Canadair bis 2032. Dank der Aktivierung des europäischen Solidaritätsmechanismus’ halfen außerdem mehrere europäische Länder mit Flugzeugen, Hubschraubern und Löschmaterial aus.

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