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Chronik Welt
06/20/2019

Forscher schlagen Alarm: Himalaja-Eis schmilzt rasant

Gletscherforscher warnen: Auch Grönlands Eisschild könnte komplett verschwinden

von Ulrike Botzenhart

Die Spuren des Klimawandels rund um den Erdball sind nicht mehr zu übersehen. Der Welt rinnt die Zeit und das Eis davon, wie der Weltklimarat im Oktober eindringlich gewarnt hat. Jetzt liefert eine US-Studie neue Belege für die Notwendigkeit, rasch zu handeln: Im Himalaja-Gebirge schmelzen die Gletscher schon doppelt so schnell wie vor der Jahrhundertwende. Der Hauptgrund: steigende Temperaturen. Die schnellere Gletscherschmelze könnte verheerende Auswirkungen auf die Wasserversorgung in Südasien haben, warnen die Forscher, deren Studie jetzt im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht wurde.

Für ihre Analyse konnten sie Satellitenbilder der US-Geheimdienste auch aus der Zeit des Kalten Krieges heranziehen, die erst kürzlich freigegeben worden waren. Die Wissenschafter hatten damit die Chance, Satellitenbilder eines 2.000 Kilometer langen Gebiets in Indien, China, Nepal und Bhutan aus mehr als 40 Jahren auszuwerten. Dabei stellten sie fest, dass die Gletscher seit der Jahrtausendwende pro Jahr 45 Zentimeter Eis verlieren: Das ist gleich doppelt so viel wie in den Jahren zwischen 1975 und 2000.

Auch die Temperaturen in dem Gebirge haben sich deutlich erhöht: Die Durchschnittstemperatur lag zwischen 2000 und 2016 um ein Grad Celsius höher als im Vergleichszeitraum von 1975 bis 2000.

Die Studie liefere das bisher „deutlichste Bild darüber, wie schnell die Gletscher im Himalaja schmelzen und warum“, sagte Joshua Maurer von der Columbia University in New York. Damit konnten frühere Studienergebnisse über die Folgen des Klimawandel in der Himalaja-Region untermauert werden. Doch diesmal nahmen sie ein noch geografisch größeres Gebiet und einen längeren Zeitraum unter die Lupe.

Grönland-Eis in Gefahr

Der schlechten Nachrichten nicht genug: Science Advances veröffentlichte zeitgleich eine weitere alarmierende Studie: Diese geht davon aus, dass Grönlands Eisschild noch in diesem Jahrtausend komplett schmelzen könnte, wenn die Treibhausgasemissionen nicht reduziert werden. „Wenn wir so weitermachen wie bisher, schmilzt Grönland“, warnte Andy Aschwanden von der Universität von Alaska in Fairbanks. Seine Studie stützt sich auf Daten der US-Raumfahrtbehörde NASA.

Die derzeitigen Treibhausgasemissionen hätten „enorme und langfristige Folgen“ nicht nur für Grönland, sondern für den Meeresspiegel und die Menschheit insgesamt. Ein komplettes Abschmelzen des Grönländischen Eisschilds hätte einen Meeresspiegelanstieg von sieben Metern zur Folge. Dann stehen zum Beispiel auch weite Teile Nordeuropas unter Wasser.

Ältere Modelle gingen bisher von einer deutlich langsameren Eisschmelze in Grönland aus.