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Chronik Welt
11/13/2021

Ein Impfwunder rettet Rios Karneval

Rund 90 Prozent der Erwachsenen sind komplett immunisiert und damit bereit für die größte aller Partys, denn „Karneval beendet die Depression der Menschen“.

von Tobias Käufer

Nie wieder wollen sie das erleben in Rio: Die weltberühmte Arena, das schnurgerade Sambódromo, menschenleer. Dort, wo vor der Pandemie die Lebensfreude und die Farben explodierten, herrschte heuer Geisterstimmung. Doch nun kehrt das Leben zurück – und das mit voller Wucht: Die Stadtverwaltung gab bekannt, dass es wieder über 500 „Blocos“ geben soll – die populären Viertelszüge des Straßenkarnevals, zu denen Hunderttausende zusammenkommen.

Die großen Sambaschulen bereiten sich auf die traditionellen, weltweit übertragenen Umzüge im „Sambódromo da Marquês de Sapucaí“ vor, wie die 1984 von Stararchitekt Oscar Niemeyer erbaute, rund 88.000 Zuschauer fassende Tribünenstraße heißt.

„Ich glaube, der Karneval 2022 wird ein Meilenstein der Kreativität, ein Recycling der Gefühle“, sagt Savia David (33) zum KURIER. Sie selbst ist „Musa“ einer der größten und erfolgreichsten Sambaschulen: „Beija-Flor“, immerhin 14-facher Meister der Umzüge. „Der Karneval in Rio ist vielleicht das größte Open-Air-Festival der Welt. Er ist nicht nur kulturell von größter Bedeutung, sondern auch wirtschaftlich unverzichtbar“, sagt sie. „Von ihm profitieren der Tourismus, die Hotels, die Restaurants und auch die im informellen Sektor arbeitenden Menschen, wie Straßenverkäufer.“ Oder anders ausgedrückt: Der Karneval ist eine Jobmaschine.

Dafür, dass sie ihn wieder feiern können, haben die Brasilianer alles getan – und für ein Impfwunder gesorgt. In Rio de Janeiro sind laut Brasil de Fato beispielsweise 90 Prozent der über 18-Jährigen vollimmunisiert. Kaum ein Land war von der Pandemie härter getroffen als Brasilien, die über 610.000 Covid-Toten treiben die Menschen in die Impfzentren.

Die Konsequenz: Die Infektionszahlen kennen seit Wochen nur noch eine Richtung: steil nach unten. Die ersten Intensivstationen vermelden keine Covid-Fälle mehr. Die Zahl der Toten ist auf dem Stand wie zu Beginn der Pandemie, das riesige São Paulo meldet an einem Tag erstmals gar keine mehr.

Bolsonaro zum Trotz

Und das alles trotz eines Präsidenten Jair Bolsonaro, der bis heute an seiner Impfskepsis festhält. Obwohl er im Sommer 2020 selbst an Covid-19 erkrankte. Sowohl die breite Bevölkerung als auch die Landesregierungen haben sich ohnehin von Bolsonaro emanzipiert und sind impffreundlich eingestellt. Sie wissen Impfschutz wegen der vielen Tropenkrankheiten traditionell zu schätzen.

Nun blicken die Brasilianer verwundert nach Europa, das viel reicher ist und wo wirksamere Vakzine zur Verfügung stehen als der in Brasilien hauptsächlich genutzte CoronaVac-Impfstoff aus China. Dass Deutschland oder Österreich viel langsamer durchimpfen, können sie nicht verstehen.

In den nächsten Wochen kehrt der Karneval zurück nach Brasilien. Keine andere Veranstaltung könnte nach der langen Zeit der Entbehrungen die Lebensfreude derart zurück-bringen: „Die Menschen waren lange eingeschlossen in ihren eigenen vier Wänden, so etwas macht depressiv. Und der Karneval beendet die Depression der Menschen“, ist Samba-Königin David überzeugt.

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