© Sikorsky-Boeing SB>1 DEFIANT

Chronik Welt
04/01/2019

Dieser Hubschrauber ist der Nachfolger für Österreichs Black Hawk

Kampf der Kampfhubschrauber. Boeing testet Helikopter mit zwei Rotoren und Turbo-Propeller.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Wer an Boeing denkt, dem fällt momentan vor allem die tödliche Absturzserie mit den MAX8-Flugzeugen in Äthiopien und Indonesien ein. Der US-Hersteller baut allerdings (gemeinsam mit der Tochterfirma Sikorsky) auch spektakuläre Helikopter. Vergangene Woche hob der „Sikorsky-Boeing SB>1 Defiant“ erstmals in West Palm Beach ab. Und wenn dieser Hubschrauber hält, was er verspricht, ist Boeing ein Meisterstück gelungen, der auch die Kriegsführung verändern könnte. 30 Minuten blieb er jedenfalls problemlos in der Luft, allerdings noch ohne den neue Heckpropeller zu aktivieren.

Neue Kriegsführung

Das bereits seit 2004 entwickelte Modell hat zwei auffällige Koaxialrotoren. Diese ermöglichen einen starken Auftrieb und deshalb hohe Lasten. Insgesamt 16 Personen (inklusive Crew) und eine Kanone können damit in der Mediumversion transportiert werden. Sechs Helikopter können rasch einen kompletten Zug mit schwerer Bewaffnung an den Einsatzort fliegen. Da die Rotoren zusammenklappbar sind, kann der Hubschrauber auch auf Flugzeugträgern gut geparkt werden.

Das Projekt:

Auffallend ist auch, dass es einen Schubpropeller gibt, der eine Reisegeschwindigkeit von 463 km/h ermöglichen soll. Zum Vergleich: Die Hubschrauber von ÖAMTC und Polizei erreichen bis zu 260 km/h, das vom österreichischen Bundesheer eingesetzte Vorgängermodell Black Hawk bis zu 277 km/h. Selbst Kleinflugzeuge erreichen das Tempo des Defiant nicht.

Ob der Boeing-Hubschrauber serienreif wird, ist derzeit noch unklar. Die US-Luftstreitkräfte wollen 2000 bis 4000 neue Hubschrauber kaufen und haben deshalb das Projekt „Future Vertikal Lift“ ins Leben gerufen. 2017 hätten eigentlich alle Erstflüge stattfinden sollen. Dabei werden durchaus ganz neue Konzepte ausprobiert, die Konkurrenzfirma Bell baut etwa die V-280 mit zwei Kipprotoren auf der Seite – ein Ungetüm, das halb Flugzeug und halb Hubschrauber ist.

Der erste Testflug:

Das im Endausbau 520 km/h schnelle Fluggerät flog im Mai 2018 erstmals, erreichte beim Jungfernflug allerdings vorerst nur Tempo 350. Mittlerweile gab es aber weitere Flüge mit besserer Leistung.

Vier Hersteller

Insgesamt vier Hersteller - der europäische Konkurrent Airbus ist nicht darunter - buhlen um die Gunst des US-Militärs. Von den zwei weiteren, eher unbekannten Firmen ist noch nichts über Jungfernflüge bekannt geworden. Die neuen Helikopter sollen auch erhöhte Reichweiten für Überstellungsflüge von bis an die 4000 Kilometer haben. Das entspricht der Entfernung von Österreich nach Afghanistan oder Kamerun. Der Defiant soll noch dazu in der Luft von einem Flugzeug betankt werden können, was die Reichweite weiter erhöht.

Der Vertikal-Flügler

Der Mitbewerber Bell Helicopter und Lockheed Martin basteln gemeinsam mit der US-Army seit September 2013 am neuen Hubschrauber Bell V-280, einem Kipprotor-Wandelflugzeug. Das V steht für vertikal. Im Mai 2018 flog die Bell V-280 erstmals mit voll nach vorn geschwenkten Rotoren. Er konnte bei diesem Testflug rund 350 km/h erreichen. Die endgültige Höchstgeschwindigkeit soll aber jenseits der 500 km/h liegen und die Reichweite bei fast 1500 Kilometern, die Kampfeinsatz-Reichweiter 800 km. Im Gegensatz zum Boeing-Modell kann der V-280 18 Personen transportieren, davon sind vier Besatzung. Die Nutzlast bzw. Traglast wird mit 4500 Kilogramm beziffert. Die Triebwerke T64 stammen von General Electric. Das T64 ist ein Einwellen-Turboproptriebwerk. Das Triebwerk wurde für die US Navy entwickelt und wird auch in anderen Hubraubern eingesetzt.

 

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