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Chronik | Welt
08/12/2019

Dänen wollen, dass ihre Sommerhäuser dänisch bleiben

Die Dänen fürchten, dass ihnen Deutsche und Norweger die Sommerhäuser wegkaufen.

Der Klimawandel beschert Dänemark einen Boom von Touristen aus Mitteleuropa, die eine frische Brise an der Nord- oder Ostsee der Hitze am Mittelmeer vorziehen. Im Jahr 2018 wurden in Dänemark 27,6 Millionen Übernachtungen von Ausländern registriert – ein bislang nie da gewesener Rekord.

Gleichzeitig wächst der Wunsch bei diesen Touristen, ein dänisches Sommerhaus zu erwerben – und darüber erregt sich die rechte „Dänische Volkspartei“. „Wir riskieren, dass Ausländer, die viel Geld haben, große Teile unserer Sommerhaus-Umgebung übernehmen, die dann menschenleer wird, weil die Ausländer nur einmal im Jahr dort verweilen“, so Peter Skaarup, der juristische Experte der Partei im öffentlich-rechtlichen Fernsehen DR.

Die Partei braucht wieder ein eigenes Thema – sie kam bei den Parlamentswahlen im Juni nur auf 8,7 Prozent. Ein Verlust von über 12 Prozentpunkten – denn viele anderen Parteien haben die scharfe Linie der DF gegenüber Migranten übernommen.

Auch die sozialdemokratische Regierungschefin Mette Frederiksen sorgte für internationale Schlagzeilen, als sie noch als Oppositionsführerin Zentren für Asylbewerber in Nordafrika vorschlug.

Jetzt also die Ferienhäuser: Eigentlich sind die Zahlen der Hausbesitzer mit fremden Pass eher überschaubar – im vergangenen Jahr wurden 374 Häuser von Ausländern gekauft, dabei machen Norweger und Deutsche die größte Gruppe aus. Im Jahr 2007 gab es nur 54 Käufe von Ausländern. Angst macht also das Anwachsen. Insgesamt existieren über 222.000 Sommerhäuser im Staate Dänemark.

Seit 1959 gibt es die „sommerhusreglen“, ein Gesetz, das es Ausländern eigentlich verwehrt, die heimeligen Domizile zu erwerben, um „Geisterstädte“ zu vermeiden. Das Beibehalten dieser Klausel wurde auch beim EG-Beitritt im Jahre 1973 durchgeboxt.

Doch gibt es Schlupflöcher im Gesetz – so kann bei einem Nachweis, 25 Jahre hintereinander den Urlaub in Dänemark verbracht zu haben, eine Erlaubnis von den Behörden erwirkt werden. Derzeit liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis eines dänischen Sommerhauses bei 16.000 Kronen (2.143 Euro) und soll dieses Jahr über drei Prozent steigen.

Traum vom Ferienhaus

Knapp eine Million Dänen träumen vom Erwerb einer solchen Immobilie, doch fehlen die finanziellen Möglichkeiten. Die Problematik ist nicht neu. Der Zuwachs ausländischer Käufer hat bereits den Großteil der damals oppositionellen Sozialdemokraten und zwei linke Parteien im vergangenen Jahr veranlasst, eine Quote für Ausländer zu fordern. Auch der Sprecher für Rechtsfragender Sozialdemokraten, Jeppe Bruus, hält den Zuwachs an Bewilligungen für „besorgniserregend“.

Der Ansturm an Asylsuchenden im Flüchtlingsjahr 2015 hat die dänische Gesellschaft verändert, wenn auch die meisten Flüchtlinge nach Schweden wollten. Durch die vielen Verschärfungen in der Ausländerpolitik stellten im vergangenen Jahr nur noch 1.000 Personen einen Antrag auf Asyl. Zudem soll Dänemark eingezäunt werden, offiziell wegen der Schweineseuche. Wo der populäre Gemütlichkeitslebensstil namens „hygge“ bedroht scheint, muss die Notbremse gezogen werden.