185.000 Kinder weggegeben: Church of England gesteht Schuld ein
Die anglikanische Theologin und Erzbischöfin von Canterbury Sarah Elisabeth Mullally entschuldigte sich für die Rolle der "Church of England".
Zusammenfassung
- Die Church of England hat sich offiziell für ihre Rolle bei historischen Zwangsadoptionen in England und Wales entschuldigt.
- Zwischen 1949 und 1976 wurden dort rund 185.000 Kinder unverheirateter Mütter zur Adoption freigegeben, nachdem viele Frauen in Heimen unter Druck gesetzt worden waren.
- Eine Untersuchung stützt sich auf zahlreiche kirchliche Dokumente und Betroffenenberichte, während auch die britische Regierung eine Entschuldigung angekündigt hat.
Die anglikanische Church of England hat sich offiziell für ihre Rolle bei Zwangsadoptionen entschuldigt. "Wir bedauern zutiefst das Leid, das Trauma und die Stigmatisierung, die viele Menschen aufgrund historischer Adoptionspraktiken in Einrichtungen der Church of England erfahren haben - und bis heute mit sich tragen", sagte Sarah Mullally laut Kathpress in einem Video. Als Erzbischöfin von Canterbury steht sie an der Spitze der anglikanischen Kirche.
Tausende unverheiratete Mütter in Mutter-Kind-Heimen wurden über Jahrzehnte unter Druck gesetzt, ihre Kinder zur Adoption freizugeben. Die Schwangerschaft sollte so vor der Gesellschaft verborgen werden. Mullally betonte: "Die Scham, die ihnen auferlegt wurde, war ungerechtfertigt." Stattdessen müsse sich die Kirche zutiefst dafür schämen, dass Menschen in der Obhut christlicher Gemeinschaften dies erleben mussten.
Rund 185.000 Zwangsadoptionen
Ebenfalls veröffentlicht wurde eine Untersuchung zur Praxis der Zwangsadoptionen in den Jahren 1949 bis 1976. Den Informationen zufolge wurden in diesem Zeitraum in England und Wales rund 185.000 Kinder unverheirateter Mütter zur Adoption freigegeben.
An wie vielen die Kirche beteiligt war, lasse sich nicht sagen. Im untersuchten Zeitraum sei die Kirche allerdings an "möglicherweise mehr als 200" Heimen beteiligt gewesen. Sie seien dezentral geführt worden.
Zahlreiche Dokumente ausgewertet
Ausgewertet wurden den Angaben zufolge vorwiegend Unterlagen aus der kircheneigenen Lambeth Palace Library. Untersucht wurden zudem Sitzungsprotokolle, Grundsatzpapiere, Jahresberichte der Heime sowie Richtlinien für Personal und Seelsorger. Auch wurden Gespräche mit betroffenen Müttern und adoptierten Kindern geführt. Videos von zwei Betroffenen sind auch auf der Homepage der Church of England zu sehen.
Am Mittwoch hatte bereits Bildungsministerin Bridget Phillipson angekündigt, die Regierung werde sich "sehr bald im Namen des Staates umfassend bei all jenen entschuldigen, die von den historischen Zwangsadoptionen in England betroffen waren". Der Parlamentsausschuss für Menschenrechte hatte 2021 eine Untersuchung eingeleitet.
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